Hausarzt als Navigator: Zukunftsmodell zur Entlastung des Gesundheitswesens
Lange Wartezeiten auf einen Facharzttermin sind seit jeher eine Geduldsprobe für Kassenpatienten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) möchte dieses Problem nun durch eine gezieltere Vergabe von Terminen entschärfen. Ein entscheidendes Element in ihrem Plan: Patienten sollten zunächst in die Hausarztpraxis gehen, um von dort aus effizient weitergeleitet zu werden. Doch während die Verbraucherzentralen den Vorstoß mit Skepsis betrachten, sieht der Hausärzteverband darin eine willkommene Optimierung.
Die Bundesvorsitzende der Verbraucherzentralen, Ramona Pop, befürchtet, dass Hausarztpraxen durch die neue Regelung noch stärker überlastet werden und beschreibt das Projekt als nicht zielführend. Erweiterungen der Terminservicestellen und eine Reform des ärztlichen Vergütungssystems erscheinen ihr sinnvoller. Ministerin Warken wiederum möchte die Ungleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten reduzieren und unnötige Arztbesuche durch eine engere Steuerung eindämmen.
Der genaue Fahrplan zur Umsetzung des Modells ist noch offen, doch ein sogenanntes "Primärarztsystem" ist laut dem Koalitionsvertrag von Union und SPD geplant. In diesem würden Patienten zunächst die Hausarztpraxen aufsuchen, um im Bedarfsfall binnen einer festgelegten Frist an Fachärzte überwiesen zu werden. Scheitert die direkte Überweisung, steht als Alternative die Facharztbehandlung in Kliniken inklusive einer Termingarantie.
Der Hausärzteverband, vertreten durch Markus Beier, befürwortet die stärkere Rolle der Hausarztpraxen als erste Anlaufstelle. Hierdurch könnten Patienten gezielter an die spezialisierte Versorgung weitervermittelt werden. Digitale Lösungen und Telemedizin sind parallel dazu im Fokus, um das bestehende Netz an Hausarztpraxen zu entlasten und um die 5000 unbesetzten Arztsitze auszugleichen.
Abschließend plädiert Warken für verschiedene Modelle zur Steuerung von Praxisbesuchen, um eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen, ohne die Patienten zusätzlich zu belasten.

