Australian Open

«Hatte nichts mehr im Tank»: Zverev verliert Tennis-Drama

30. Januar 2026, 17:18 Uhr · Quelle: dpa
Tennis - Australian Open
Foto: Asanka Brendon Ratnayake/AP/dpa
Alexander Zverev haderte mit einer medizinischen Auszeit von Carlos Alcaraz.
Im längsten Spiel seiner Karriere verliert Alexander Zverev gegen die Nummer eins der Welt. Der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel platzt erneut.

Melbourne (dpa) - Nach der nächsten bitteren Niederlage im längsten Spiel seiner Karriere verließ Alexander Zverev mit gesenktem Kopf und völlig entkräftet die Rod Laver Arena. In einem Tennis-Drama musste sich der 28-Jährige in Melbourne in einem epischen Halbfinale dem Spanier Carlos Alcaraz mit 4:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:3), 7:6 (7:4), 5:7 geschlagen geben und verpasste damit den erneuten Einzug ins Finale der Australian Open.

Dabei hatte der Weltranglisten-Erste ab Ende des dritten Satzes mit großen körperlichen Problemen zu kämpfen. Zwar waren die Temperaturen in Melbourne mit etwas mehr als 30 Grad deutlich angenehmer als an den großen Hitzetagen mit bis zu 45 Grad zuvor. Dafür war es sehr schwül, was Alcaraz offensichtlich große Probleme bereitete.

Zverev schlug im längsten Halbfinale in der Geschichte der Australian Open im fünften Satz zum Matchgewinn auf, brachte den Sieg aber nicht ins Ziel. Nach 5:27 Stunden verwandelte Alcaraz seinen ersten Matchball. Danach ließ sich der Spanier völlig erschöpft auf den Rücken fallen.

Alcaraz jetzt gegen Djokovic

«Es war das körperlich schwerste Spiel meiner Karriere», sagte Alcaraz und ergänzte: «Entscheidend war, dass ich immer daran geglaubt habe.» Der Spanier steht erstmals bei den Australian Open im Finale. Dort trifft er am Sonntag auf Rekord-Grand-Slam-Champion Novak Djokovic aus Serbien.

Der 38-Jährige rang in einem ebenfalls atemberaubenden Halbfinale Titelverteidiger Jannik Sinner mit 3:6, 6:3, 4:6, 6:4, 6:4 nieder und steht damit in Melbourne vor seinem elften Triumph. Damit gingen erstmals seit neuen Jahren in Melbourne wieder beide Halbfinals über fünf Sätze. Sollte Djokovic am Sonntag gewinnen, hätte er mit 25 Grand-Slam-Titeln endlich auch einen Titel mehr als die Australierin Margaret Court.

Djokovic kniet auf dem Court

«Es fühlt sich surreal an», sagte Djokovic, der nach der Partie auf dem Court in der Rod Laver Arena niederkniete und sich von den Zuschauern feiern ließ. Damit gibt es erstmals seit den Australian Open im vergangenen Jahr wieder ein anderes Grand-Slam-Finale als Sinner gegen Alcaraz.

Im Endspiel der Frauen stehen sich an diesem Samstag (9.30 Uhr MEZ/Eurosport) die Weltranglisten-Erste Aryna Sabalenka aus Belarus und die Kasachin Jelena Rybakina gegenüber.

Zverevs Traum vom ersten Grand-Slam-Titel platzte dagegen auf bittere Art und Weise. «Es war ein unglaublicher Kampf. Am Ende hatte ich einfach nichts mehr im Tank», sagte der 28-Jährige. Ob die Niederlage bitterer gewesen sei als jene im Endspiel vor einem Jahr? «Das kann ich jetzt nicht sagen. Ich bin zu müde für Emotionen», sagte Zverev, der 2025 im Endspiel gegen Sinner in drei Sätzen verloren hatte.

Becker spendet Zverev Trost

Tennis-Legende Boris Becker, der als letzter deutschen Tennisspieler 1996 in Melbourne ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hatte, spendete Zverev Trost. «Ich bleibe dabei. Er hat so gut Tennis gespielt. In dieser Form, mit dieser Leidenschaft, bin ich überzeugt, dass er bis zum Ende seiner Karriere noch irgendein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann», sagte Becker bei Eurosport.

Alcaraz plötzlich mit körperlichen Problemen

Gegen Alcaraz war Zverev fast drei Sätze lang nahezu chancenlos, ehe der Spanier plötzlich große körperliche Probleme bekam. Beim Stand von 4:4 im dritten Satz hatte Alcaraz mit Krämpfen zu kämpfen. Nachdem der Spanier seinen Aufschlag mit Mühe durchgebracht hatte, ließ er sich beim Seitenwechsel behandeln und nahm eine medizinische Auszeit.

Sehr zum Unmut von Zverev. «Das ist unglaublich. Das gibt es nicht. Das kann nicht euer Ernst sein», kommentierte Zverev die Behandlungspause des Spaniers in der entscheidenden Phase des dritten Satzes im Gespräch mit dem Oberschiedsrichter.

«Das ist Schwachsinn. Der hat Krämpfe. Das ist absoluter Schwachsinn, der kann doch kein Medical nehmen», schimpfte Zverev. Behandlungen sind eigentlich nur bei Verletzungen gestattet, nicht aber bei Krämpfen. Alcaraz gab an, dass er einen Stich im Adduktorenbereich gespürt hatte.

Alcaraz holt sich clevere Auszeit

Becker gab Zverev recht. «Er war in diesem Moment der Sieger. Hätte Alcaraz weiterspielen müssen, hätte er es nicht geschafft», sagte Becker. «Aber Alcaraz ist ein cleverer Junge, sagt, er hat da ein kleines Ziehen und darf dann die Verletzungspause nehmen.»

Auch nach der Partie wiederholte Zverev, dass er die Entscheidung nicht nachvollziehen könne. Allerdings wollte er das Thema nicht weiter befeuern. «Ich will jetzt nicht darüber reden, weil ich denke, das war einer der größten Kämpfe, die es hier in Australien je gegeben hat. Das verdient jetzt nicht, das Thema zu sein», sagte Zverev.

Alcaraz kann kaum laufen

Alcaraz hatte ab Ende des dritten Satzes deutlich Probleme, sich zu bewegen. Doch Zverev konnte daraus zunächst kein Kapital schlagen. Dem 28-Jährigen unterliefen ein paar leichte Fehler, sodass sich der Spanier in den Tiebreak rettete. Dort endlich nutzte Zverev die körperlichen Schwierigkeiten seines Gegners aus und ließ Alcaraz laufen. Nach 3:03 Stunden Gesamtspielzeit holte er sich den dritten Satz.

Alcaraz ließ sich auch danach massieren und war nach wie vor weit von seiner normalen Fitness entfernt. Zverev schien der strauchelnde Gegner aber eher zu irritieren. Die deutsche Nummer eins versäumte es weiter, Druck auf Alcaraz auszuüben. Dennoch schaffte er nach 4:07 Stunden den Satzausgleich. Auf einmal war in der Rod Laver Arena wieder alles offen.

Zverev anfangs ohne Chance

Dabei hatte es in den ersten zweieinhalb Sätzen nach einer deutlichen Angelegenheit für Alcaraz ausgesehen. Zverev haderte lange Zeit mit seinem Aufschlag. Nach den zwei verlorenen Sätzen schien die Aufgabe für Zverev fast unmöglich. Alcaraz hatte im gesamten Turnierverlauf noch keinen Satz verloren, Zverev brauchte nun drei für den Einzug ins Finale. Auch er selbst schien nicht wirklich daran zu glauben. Doch dann begann das Drama. Alcaraz kämpfte mit großen Problemen, Zverev schaffte den Satzausgleich.

Unfassbares Niveau im fünften Satz

Im fünften Satz hatte sich Alcaraz dann weitgehend wieder erholt. Doch Zverev spielte nun großes Tennis und schaffte ein frühes Break. Das Drama nahm weiter seinen Lauf. Beim 5:4 schlug Zverev zum Matchgewinn auf, kassierte aber das Break. Alcaraz ließ sich von den Zuschauern feiern und nutzte die Emotionen, um das Spiel doch noch zu drehen.

Tennis / Australian Open / Zverev / Alcaraz / Deutschland / Spanien / Halbfinale
30.01.2026 · 17:18 Uhr
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