Handelsstreitigkeiten belasten US-Börsen - Indizes auf Talfahrt
An den US-amerikanischen Börsen sorgten Befürchtungen über einen bevorstehenden Handelskrieg mit Europa für deutliche Verluste. Insbesondere die Drohung von Strafzöllen im Zuge des Streits um Grönland ließ die wichtigsten Indizes nach einem verlängerten Wochenende in den Keller rasseln. Die seit Jahresbeginn erzielten Gewinne sind damit nahezu vollständig zunichtegemacht. Die jüngsten charttechnischen Indikatoren deuten auf ein düsteres Szenario für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten hin. Der Volatilitätsindex (VIX), der die erwarteten Schwankungen im S&P 500 misst, stieg über die Marke von 20 Punkten und erreichte damit den höchsten Wert seit letztem November. Anleger suchten Sicherheit in Edelmetallen wie Gold, während die Nachfrage nach US-Staatsanleihen nachließ.
Am Wochenende eskalierte der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Europa: US-Präsident Donald Trump drohte, ab Februar Strafzölle gegen bestimmte europäische Länder zu erheben, wenn kein Abkommen zum Kauf Grönlands durch die USA zustande kommt. Die europäische Reaktion war unerbittlich, und Staats- und Regierungschefs erwägen Gegenmaßnahmen. Auf den Märkten schloss der Dow Jones Industrial mit einem Minus von 1,76 Prozent bei 48.488,59 Punkten und damit knapp über dem Tagestief. Der S&P 500 fiel um 2,06 Prozent auf 6.796,86 Punkte, während der Nasdaq 100 um 2,12 Prozent auf 24.987,57 Punkte abrutschte. Alle drei Indizes gingen unter ihre 21-Tage-Linien zurück, wobei S&P 500 und Nasdaq auch die 50-Tage-Linien unterschritten – klare Signale für einen negativen Trend.
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, bemerkte, dass "der Grönland-Streit zeigt: Handelsstreitigkeiten sind bei weitem noch nicht beigelegt" und fügte hinzu, dass sie unter der Trump-Administration wohl auch ein "Dauer-Störfeuer" bleiben dürften. Bei den Einzelwerten war 3M mit einem Minus von 7,0 Prozent das Schlusslicht im Dow. Enttäuschungen bei den Quartalszahlen und der Margenausblick für 2026 drückten die Aktie nach unten. Nvidia, als Teil der „glorreichen Sieben“, verzeichnete mit einem Rückgang von 4,4 Prozent die stärksten Verluste unter den großen Technologieunternehmen, zu denen auch Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Tesla gehören.
Im Gegensatz dazu kletterte die Aktie von Intel um 3,4 Prozent nach oben, gestützt durch positive Analystenkommentare. Diese Bewegung spiegelt die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung des Unternehmens wider. Bei Netflix wendete sich der Markt gegen den anfänglichen Trend, sodass die Aktie um 1,1 Prozent nachgab. Dies geschah im Kontext eines Bieterwettbewerbs um Warner Brothers, an dem auch Paramount beteiligt ist. Die Titel von Paramount und Warner Bros. verzeichneten ebenfalls Rückgänge. Gewinner waren die Aktien von Edelmetallproduzenten wie Newmont und Agnico Eagle Mines, die von Rekordpreisen bei Gold und Silber profitierten. Außergewöhnlich stark präsentierten sich die Papiere von Rapt Therapeutics, die um 64 Prozent auf 57,57 Dollar anstiegen, nachdem der britische Pharmakonzern GSK ein Übernahmeangebot unterbreitet hatte.

