Grant Thornton streicht Sekretariatsstellen und verlagert Aufgaben nach Indien
Grant Thornton UK hat nahezu alle Sekretariats- und Assistenzstellen im Land gestrichen und diese Funktionen an die indische Schwestergesellschaft ausgelagert. Nach Angaben mehrerer Mitarbeiter wurden bereits im Juni Dutzende persönliche Assistenten zum Abschied gedrängt, insgesamt sollen bis zu 100 Stellen betroffen sein. Offiziell spricht das Unternehmen lediglich von einer „kleinen Zahl“ an Abgängen.
Die Maßnahme folgt nur wenige Monate nach dem Einstieg des Private-Equity-Investors Cinven, der im vergangenen Jahr eine Mehrheitsbeteiligung an der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erworben hatte. Während Cinven betont, nicht für die operativen Kürzungen verantwortlich zu sein, sehen Insider wachsenden Druck, Margen zu stützen und zugleich Investitionen in Wachstumsfelder wie digitale Transformation zu finanzieren. Ein Teil des Kapitals wurde für einen Bonuspool von 39 Mio. Pfund reserviert.
Das Outsourcing nach Indien reiht sich ein in einen Branchentrend, Verwaltungs- und Unterstützungsaufgaben in kostengünstigere Märkte zu verlagern oder sie zunehmend durch Technologie und künstliche Intelligenz zu ersetzen. Grant Thornton Indien gilt dabei als Schlüsselfirma im globalen Netzwerk: Sie beschäftigt bereits die meisten Mitarbeiter und übernimmt zahlreiche Accounting- und Supportfunktionen für die britische Einheit. Vor zwei Jahren hatten die Gesellschaften Anteile getauscht, um ihre enge Kooperation zu unterstreichen.
Intern sorgt der Schritt dennoch für Unruhe. „Die Partner sind wirklich beschämt, sie wollten das definitiv nicht“, sagte ein Mitarbeiter. Viele sehen die Gefahr weiterer Verlagerungen nach Indien. Gleichzeitig tritt Grant Thornton UK in direkte Konkurrenz zu seinem US-Ableger, der ebenfalls von Private Equity gestützt wird, um kleinere Netzwerkteile zu übernehmen.


