Goldrausch oder Illusion? Bitcoin und seine unsicheren Stellvertreter
Investoren, die zu Beginn dieses Jahres verstärkt in Bitcoin-Treasury-Aktien investierten, um den direkten Kryptoerwerb zu schlagen, stehen nun vor einer ernüchternden Erkenntnis: Bitcoin selbst zeigt sich robuster als seine Ableger. Zwei prominente Vertreter dieser Strategie, Strategy und das in Tokio notierte Metaplanet, verzeichnen diese Woche Kursverluste auf Mehrmonatstiefs. Der Unterschied ist jedoch nicht auf eine boomende Bitcoin-Renaissance zurückzuführen, da die Top-Kryptowährung von einem Rekordhoch über 124.000 Dollar im letzten Monat auf etwa 114.000 Dollar gefallen ist.
Travis Kling, der Chief Investment Officer bei Ikigai Asset Management, beschreibt den Markt für digitale Treasury-Vermögenswerte als den letzten Akt eines Zyklus, dessen Konzept als wenig überzeugend erscheint. Der Trend betrifft nicht nur zwei Unternehmen. Laut jüngsten Berichten werden etwa ein Drittel der Bitcoin-Treasuries unter dem Wert ihrer Bestände gehandelt. Es besteht die Sorge, dass ein breiterer Abwärtstrend droht, falls Unternehmen ihre Coins verkaufen müssen, um Schulden zu begleichen.
Das Bitcoin-Treasury-Spiel begann mit Strategy, die von Michael Saylor zum führenden Unternehmenshalter des Tokens aufgebaut wurde. Ihre Aktien sanken auf etwa 323 Dollar, den niedrigsten Stand seit fast fünf Monaten, und weit unter den Werten von über 500 Dollar im Juli. Dieses Phänomen zeigt eine wachsende Divergenz zwischen Bitcoin und den daran gekoppelten Aktien. Diese Divergenz gefährdet das Geschäftsmodell von Strategy, das darauf beruht, Aktien zu einem Aufschlag zu verkaufen, um mehr Bitcoin zu erwerben. Der Wert muss dabei über den Vermögenswerten liegen, um rentabel zu bleiben. Wie Sequans Communications, die bereits Rückwärts-Splits zur Vermeidung der Dekotierung einsetzte, sehen Analysten die Spannungen im Sektor wachsen.
Metaplanet, ehemals ein kleines Hotelmanagementunternehmen in Tokio, hat sich in ein asiatisches Pendant zu Strategy gewandelt und verfolgt seit April 2024 eine aggressive Bitcoin-Strategie. Nach einem Rekordkapitalerhöhung von 5,4 Milliarden Dollar im Juni für 210.000 Bitcoin geriet der positive Schwung ins Stocken. Die Aktien, die im Anschluss auf fast 12,90 Dollar stiegen, notieren nun bei etwa 4,40 Dollar – ein Rückgang von über 60 Prozent seit dem Juni-Höchststand. Das Beispiel unterstreicht, wie riskant eine aggressive Aktienausgabe wird, wenn sie von akkumulierend zu erodierend wechselt. Matthew Sigel von VanEck hebt hervor, dass einmal am Nettovermögenswert gehandelt, die Verwässerung der Aktien nicht mehr strategisch, sondern abträglich wird.

