Goldman Sachs fordert Anpassung der Berichtsregeln für Anleihegeschäfte
Goldman Sachs appelliert an die US-Regulierungsbehörden, großen Banken eine zeitliche Verzögerung bei der öffentlichen Berichterstattung über bedeutende Anleihegeschäfte zu gestatten. Die Bank argumentiert in einem internen White Paper, dass die aktuellen Offenlegungsvorschriften der Wall Street-Regler es großen Liquiditätsanbietern erschweren, das Risiko aus umfangreichen Portfoliotransaktionen zu managen, bevor sensible Transaktionsdetails veröffentlicht werden.
Diese sogenannten Portfoliohandel ermöglichen Investoren, große Bündel von Anleihen in einem einzigen Vorgang zu verschieben. Derzeit müssen Banken gemäß den Regeln der Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) Investitionsgrade- und Hochzinsanleihen innerhalb von 15 Minuten nach Ausführung sekundärer Trades bekanntgeben, ungeachtet der Transaktionsgröße.
Goldman Sachs hebt hervor, dass Geschäfte mit einem Volumen von über 250 Millionen Dollar von dieser 15-Minuten-Regel ausgenommen werden sollten. Trades zwischen 250 und 500 Millionen Dollar sollten stattdessen am Ende des Handelstages gemeldet werden, während solche über 500 Millionen Dollar über den T+1-Abwicklungskurs abgewickelt und bis zum Ende diesen Tages berichtet werden sollten. Einzelanleihetransaktionen und Portfolios bis zu 250 Millionen Dollar bleiben von den Änderungen unberührt.
Nach Goldmans Einschätzungen würden diese Anpassungen nur circa 0,5% aller Portfoliohandel betreffen, da die überwiegende Mehrheit der Unternehmensanleihen unterhalb von 250 Millionen Dollar liegt. Große Liquiditätsgeber auf der Wall Street äußern seit Jahren, dass die momentanen Berichtspflichten ihre Fähigkeit beeinträchtigen, Risiken bei großen Anleihen abzusichern.
Goldmans Vorschlag erfolgt vor dem Hintergrund des Wandels im US-Unternehmensanleihemarkt durch elektronischen Handel, gestiegene Offenlegungspflichten und den Aufstieg der Anleihen-ETFs. Der elektronische Handel umfasst mittlerweile mehr als 50% der US-Investmentgrade-Volumina, während sich das durchschnittliche tägliche Volumen der Anleihe-ETFs auf 10,4 Milliarden Dollar beläuft.
Portfoliohandel wurde 2018 eingeführt, um den Handel mit Unternehmensanleihen zu optimieren. Es sind jedoch Bedenken vorhanden, dass die aktuellen Reportinganforderungen, bekannt als Trade Reporting and Compliance Engine (TRACE), aus dem Jahr 2002 heute nicht mehr zeitgemäß sind. Goldman Seas sieht die Märkte gut bedient, wenn die aktuellen Standards im Hinblick auf heutige Marktgegebenheiten geprüft würden.
Änderungen der Berichtsregelungen für Anleihegeschäfte würde eine Genehmigung sowohl von der FINRA als auch der US Securities and Exchange Commission erfordern. Goldman Sachs wollte keine Stellungnahme dazu abgeben, ob bereits Gespräche mit den Regulierungsbehörden zu diesen Vorschlägen stattgefunden haben.

