Gesundheitsökonom schlägt höhere Zuzahlungen als Bremse für Beitragsanstieg vor
Ein namhafter Gesundheitsökonom regt eine Anpassung der Zuzahlungen bei verschreibungspflichtigen Medikamenten an, um die angespannte Finanzlage der Krankenkassen zu entschärfen. Wissenschaftler Wolfgang Greiner, der an der Universität Bielefeld lehrt, empfiehlt eine Anpassung der Selbstbeteiligung der Versicherten an die Inflationsrate der vergangenen Jahre, wie er der Funke Mediengruppe erklärte. Aktuell liegt die Zuzahlung bei fünf bis zehn Euro pro Medikament. Greiner prognostiziert, dass eine inflationsbedingte Erhöhung die Zuzahlungen in etwa verdoppeln könnte, was eine Einnahmesteigerung auf etwa fünf Milliarden Euro bedeuten würde.
Ein solcher Schritt könnte die Anzahl der erstattungsfähigen Medikamente reduzieren, da einige aufgrund niedrigerer Preise aus der Erstattung herausfallen würden. Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion ist die notwendige staatliche Unterstützung für die Krankenkassen. Greiner argumentiert, dass milliardenschwere Bundeszuschüsse aus Steuermitteln erforderlich sind, um die finanzielle Lücke zu schließen, was auch von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken unterstützt wird. Ein Darlehen sei nicht ausreichend, um das strukturelle Problem zu lösen.
Darüber hinaus hat der Bundesrechnungshof alarmierende Prognosen zur Höhe der Zusatzbeiträge veröffentlicht. Diese könnten sich von durchschnittlich 2,9 Prozent Anfang 2025 auf bis zu 4,05 Prozent im Jahr 2029 erhöhen, wenn die bestehenden Finanzierungsprobleme nicht gelöst werden.

