Gerresheimer: Gedämpfte Marktperspektiven belasten Unternehmensausblick – Aktien im Sinkflug
Der Spezialist für Pharma- und Kosmetikverpackungen, Gerresheimer, sieht sich aufgrund einer anhaltend schwachen Nachfrage im Kosmetiksektor zu einem vorsichtigeren Ausblick für das Geschäftsjahr 2025 gezwungen. Auch die Nachfrage nach flüssigen, oralen Medikamenten schwächelt, was das Unternehmen zusätzlich unter Druck setzt.
Konsequenterweise hat der Vorstand des im MDax gelisteten Unternehmens beschlossen, die Dividende auf ein Minimum zu reduzieren, um den Herausforderungen der eingetrübten Geschäftsaussichten Rechnung zu tragen. Diese Mitteilung führte an der Börse zu einer merklichen Reaktion: Die Aktie von Gerresheimer verzeichnete zuletzt einen Kurseinbruch von beinahe 25 Prozent.
Darüber hinaus zeigt das Unternehmen aus Düsseldorf auf, dass das organische Umsatzwachstum im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum voraussichtlich nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen wird. Die bereinigte operative Marge (Ebitda-Marge) von rund 19 Prozent bestätigt das insgesamt hinter den Erwartungen zurückbleibende Wachstum im ersten Halbjahr.
Selbst ein starkes zweites Halbjahr würde dem Unternehmen kaum ermöglichen, die ursprüngliche Prognose für das Jahr 2025 zu erreichen. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Gerresheimer nun mit einem organischen Wachstum von 1 bis 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sowie einer bereinigten operativen Marge von 20 Prozent.
Gleichzeitig wird ein Rückgang des bereinigten Gewinns je Aktie im niedrigen zweistelligen Prozentbereich prognostiziert. Zuvor hatte das Management ein deutlich optimistischeres Plus von 3 bis 5 Prozent beim Umsatz sowie eine Ebitda-Marge von 22 Prozent und einen Gewinnzuwachs im hohen einstelligen Prozentbereich erwartet.
Die angekündigte Senkung der Dividende für das rückliegende Geschäftsjahr auf lediglich 4 Cent je Aktie von zuvor 1,25 Euro unterstreicht die Herausforderungen, denen sich Gerresheimer gegenübersieht. Der umfassende Bericht zum zweiten Quartal und ein Update zur mittelfristigen Prognose werden planmäßig am 10. Juli veröffentlicht.
Finanzanalyst David Adlington von JPMorgan titulierte die Anpassung der Prognose als erneute Gewinnwarnung. Insbesondere die drastisch reduzierte Dividende könnte für die Aktionäre eine belastende Neuigkeit darstellen, da sie eine Botschaft über die Gesundheit der Unternehmensbilanz aussendet.
Die neuen Jahresziele erfordern laut Adlington eine Korrektur der Markterwartungen um drei Prozent beim Umsatz und neun Prozent beim operativen Ergebnis auf bereinigter Basis. In Anbetracht dieser Lage könnten Aktionäre hoffen, dass diese Signale den Weg für ein Gebot durch Private-Equity-Gesellschaften ebnen.
Bereits im Frühjahr war öffentlich geworden, dass Gerresheimer nach potenziellen Käufern Ausschau hält. Für einen möglichen Interessenten ist die aktuelle Situation von Vorteil, da sie eine günstigere Bewertung bieten könnte.
Seit Jahren stehen Finanzinvestoren im Zusammenhang mit einer möglichen Aufspaltung des Konzerns im Fokus und in der vergangenen Woche sorgten Berichte über eine mögliche Übernahme durch Warburg Pincus und KPS Capital Partners für einen kurzzeitigen Auftrieb der Aktien bis auf 66,50 Euro, der jedoch schnell verpuffte.

