Gesetzentwurf

Gegen Hass und Demütigung im Netz: Neues Gesetz soll helfen

17. April 2026, 14:20 Uhr · Quelle: dpa
Digitale Gewalt
Foto: Marijan Murat/dpa
Hassbotschaften und Demütigungen können für die Betroffenen massive Folgen haben. (Symbolbild)
Digitale Gewalt ist oft genauso schlimm wie physische Übergriffe, davon ist Justizministerin Stefanie Hubig überzeugt. Was die Sozialdemokratin dagegen unternehmen will.

Berlin (dpa) - Wer im Netz Hass, sexuelle Belästigung oder andere Formen digitaler Gewalt erleidet, soll künftig einfacher gegen die Urheber vorgehen können. Geplant sind neue Auskunftsrechte und Maßnahmen bis hin zu richterlich angeordneten Accountsperren. Die geplanten neuen Rechte für Betroffene stehen in einem Gesetzentwurf, den Justizministerin Stefanie Hubig am Freitag präsentierte. Zugleich will sie das Strafrecht verschärfen, unter anderem mit Blick auf sexualisierte Bilder. 

«Digitale Gewalt ist ein Massenphänomen», sagte die SPD-Politikerin. «Während Deepfakes und Cyberstalking längst Alltag geworden sind, hinkt unser Recht der digitalen Realität hinterher.» Im Zeitalter von KI, Smartphone und sozialen Netzwerken sei es einfacher denn je, Menschen in aller Öffentlichkeit zu demütigen oder zum Sexualobjekt herabzuwürdigen. «Millionen Menschen sind betroffen, besonders häufig Frauen – und die Zahlen steigen rasant.»

Der Hintergrund

Vorbereitet wurden die Maßnahmen nach Hubigs Worten seit Monaten. Neue Dringlichkeit bekam die Debatte dann Ende März. Die Schauspielerin Collien Fernandes berichtete über Fake-Profile in ihrem Namen, über die pornografische Darstellungen verbreitet worden waren. Sie erhob Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Hubigs Entwurf bezieht sich auf diverse Formen digitaler Gewalt, darunter Bedrohungen («Hate Speech»), die unerlaubte Veröffentlichung personenbezogener Daten («Doxing»), das unerwünschte Zusenden von Pornografie (etwa sogenannte Dick Pics), das sogenannte Cybergrooming, Cybermobbing und Cyberstalking, bildbasierte sexualisierte Gewalt und Identitätsmissbrauch mit Fake-Profilen. 

Nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom haben rund ein Viertel von rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer schon digitale Gewalt erlebt. Unter den 16- bis 29-Jährigen sind es sogar 43 Prozent. 80 Prozent der Befragten unterstützen demnach eine konsequente Strafverfolgung. Auch der Deutsche Richterbund hält es für «überfällig, dass der Rechtsstaat konsequenter gegen Verletzungen der Intimsphäre und der Persönlichkeitsrechte im digitalen Raum vorgeht».

Zwei Säulen

«Es dauert keine Minute, einen Deepfake zu erstellen, der wirklich täuschend echt aussieht und Persönlichkeitsrechte massiv verletzt», sagte Hubig. «Und doch haben wir bislang keinen eigenen Straftatbestand dafür. Und auch das Zivilrecht ist auf diese digitale Gewalt noch nicht ausreichend eingerichtet.» Deshalb setze sie beide Säulen: Strafrecht und Zivilrecht. 

«Gewalt geht nicht, und digitale Gewalt im Netz geht genauso wenig», sagte die Ministerin. Die Folgen seien für die Betroffenen ähnlich schlimm. «Wir reden hier wirklich über Taten, die Menschen, vor allem auch viele Frauen, in ihren Grundfesten erschüttern.»

Neue Rechte für Betroffene

Auf der zivilrechtlichen Seite sollen Opfer mutmaßlicher Straftaten von Online-Plattformen oder Internetanbietern leichter Auskünfte erstreiten können – und zwar nach Hubigs Worten so: Betroffene sollen ohne Anwalt und ohne Gerichtsgebühren einen Antrag beim örtlichen Gericht stellen können. Dieses geht dann an die Plattformen, um anonyme Nutzer zu benennen. In einem zweiten Schritt könnte man Unterlassung, Schadenersatz oder im äußersten Fall eine zeitweilige Sperre des Nutzerkontos gerichtlich durchsetzen – «wenn die Schwere der Rechtsverletzungen dies rechtfertigt», wie es im Entwurf heißt.

Der Richterbund merkte dazu an, dass die Gerichte dafür das nötige Personal bräuchten, um die Auskunftsansprüche zügig abzuarbeiten. Das sieht Hubig genauso: «Wir müssen unsere Gerichte personell gut ausstatten.»

Dass ein Richter entscheidet, soll vermeiden, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, wie es weiter heißt. Äußerungen, die nicht strafrechtlich relevant sind, sollen anonym bleiben können. 

Drei neue Straftatbestände

Auf der strafrechtlichen Seite sind drei neue Straftatbestände vorgesehen. Zum einen geht es um die «Verletzung der Intimsphäre durch Bildaufnahmen». Das unbefugte Herstellen und Verbreiten von intimem Bildmaterial soll unter Strafe gestellt werden, egal ob es reale oder computergenerierte Bilder sind. Darunter fallen pornografische Deepfakes, aber auch «digitaler Voyeurismus». Gemeint ist das heimliche Filmen an öffentlichen Orten, das auf nackte Körperstellen zielt oder auch in sexuell bestimmter Weise auf bekleidete Körperteile.

Der zweite neue Straftatbestand betrifft die Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch «täuschende Inhalte». Gemeint sind Deepfakes, die nicht sexuelle Inhalte haben, aber Menschen trotzdem sehr schaden können. Bestraft werden soll in dem Fall das unbefugte «Zugänglichmachen», nicht das Herstellen. 

Zum dritten soll die unerlaubte Überwachung – etwa durch einen vom Täter in der Handtasche versteckten Sender – oder das heimliche Installieren von Spyware auf Handys ausdrücklich verboten werden. Stichwort Cyberstalking.

Das Gesetz braucht noch Zeit

Hubig räumte ein, dass einige die Maßnahmen für zu weitreichend hielten, andere für unzureichend. Sie stelle das nun zur Debatte. Danach dürfte das Gesetzgebungsverfahren Monate dauern. Unabhängig davon kommt am kommenden Mittwoch eine andere Maßnahme ins Kabinett, die ebenfalls gegen schwere Straftaten im Netz helfen soll: Die dreimonatige Speicherung von IP-Adressen, die damit Ermittlern zugänglich gemacht werden sollen.

Kriminalität / Justiz / Bundestag / Deutschland / Digitale Gewalt / Internet / Strafrecht
17.04.2026 · 14:20 Uhr
[0 Kommentare]
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - Bei den Verhandlungen für eine diplomatische Lösung des Iran-Kriegs ist weiter kein Durchbruch in Sicht. US-Präsident Donald Trump hält die jüngste Antwort des Irans auf den US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges für «völlig inakzeptabel». Er sprach auch weitere Drohungen gegen die Islamische Republik aus. In Teheran zeigte man sich […] (01)
vor 18 Minuten
Ein Royal-Biograf behauptet, die Prinzessin von Wales habe sich schon früh von Prinz Andrew distanziert, während der Epstein-Skandal weiterhin einen Schatten auf die Monarchie werfe.
(BANG) - Herzogin Catherine soll das erste ranghohe Mitglied der Royals gewesen sein, das sich vollständig von dem ehemaligen Prinzen, Andrew Mountbatten-Windsor, distanziert hat. Als die Folgen der Verbindung des in Ungnade gefallenen Ex-Herzogs zum Pädophilen Jeffrey Epstein innerhalb der Monarchie immer gravierender wurden, habe sich die zukünftige […] (00)
vor 8 Stunden
Beatbot-Jubiläumskollektion: Smarte Poolreinigung, perfekt abgestimmt auf jeden Pool
Das Beatbot-Jubiläumsevent markiert einen neuen Meilenstein für eine der weltweit führenden Marken im Bereich Poolrobotik. Vorgestellt wird eine neue Generation von Innovationen in einem sorgfältig kuratierten Portfolio, das alle Marktsegmente abdeckt. Von der alltäglichen Reinigung bis hin zu vollständig integrierten Premium-Systemen bietet jedes […] (00)
vor 1 Stunde
GTA 6 später wegen Crunch? Take-Two erklärt Release-Verschiebung
Die Verschiebung von GTA 6 war für viele Fans ein harter Schlag. Statt in wenigen Tagen am 26. Mai erschient Rockstars Mega-Blockbuster offiziell am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X/S. Rockstar selbst erklärte damals, dass die zusätzlichen Monate nötig seien, um das Spiel mit dem erwarteten Feinschliff fertigzustellen. Jetzt […] (00)
vor 2 Stunden
Kevin McKidd hofft, nach seinem Ausstieg bei 'Grey's Anatomy' eine Rolle in 'Harry Potter' zu bekommen.
(BANG) - Kevin McKidd ist "sehr aufgeregt" über die Aussicht, in der 'Harry Potter'-TV-Serie mitzuspielen. Der 52-jährige Schauspieler verließ kürzlich nach 18 Staffeln als Dr. Owen Hunt die Serie 'Grey’s Anatomy'. Zuletzt wurde spekuliert, dass sein nächstes Projekt die Rolle des Arthur Weasley in HBOs kommender Adaption von J.K. Rowlings Bestseller- […] (01)
vor 8 Stunden
Arda Saatçi bei seinem Lauf
Los Angeles (dpa) - Mehr als fünf Tage hat es am Ende gedauert: Der Berliner Läufer Arda Saatçi ist nach mehr als 600 Kilometern und 123 Stunden und 21 Minuten in seinem Ziel im US-Bundesstaat Kalifornien angekommen. Der 28-Jährige erreichte am Sonntag um 14.30 Uhr (Ortszeit) den Santa Monica Pier nahe Los Angeles, wie aus einem Livestream hervorging. […] (00)
vor 1 Stunde
Markus Söder
Berlin (dpa) - Nach dem Veto des Bundesrates sind die Chancen deutlich gesunken, dass die Entlastungsprämie für Arbeitnehmer doch noch kommt. CSU-Chef Markus Söder sieht keine Zukunft mehr für sie. Auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), rät der schwarz-roten Bundesregierung, sie vom Tisch zu nehmen und besser gleich eine umfassende […] (00)
vor 1 Stunde
Zahnerkrankungen als Risiko für Herz-Kreislauf und Stoffwechsel
Mörfelden-Walldorf, 10.05.2026 (lifePR) - Dass Zähne einen großen Einfluss auf die gesamte körperliche Gesundheit haben, ist heute gut belegt. Bleiben Erkrankungen im Mundraum wie Karies oder ein abgestorbener Zahn unbehandelt, kann das weitreichende Folgen für den gesamten Organismus haben. Im aktuellen Blogbeitrag wird beleuchtet, welche […] (00)
vor 17 Stunden
 
Bewerber für künftige FDP-Spitze stellen sich vor
Berlin (dpa) - Die politisch angeschlagene FDP hat nach Auffassung ihres […] (03)
Leuchtend grüne Gräser gedeihen auf einem regennassen Feld und zeigen die Widerstandsfähigkeit der Natur.
Wechselhaft sonniger Tagesverlauf mit Unwettern Am Sonntag herrscht zunächst oft […] (01)
Ehemaliger polnischer Justizminister Zbigniew Ziobro
Warschau (dpa) - Der von Polen wegen Korruptionsverdachts gesuchte Ex-Justizminister […] (03)
Marie-Louise Eta (Archiv)
Mainz - Zum Abschluss des 33. Spieltags in der Fußball-Bundesliga hat Union Berlin […] (00)
VfL Wolfsburg - Bayern München
Wolfsburg (dpa) - Drei Tage nach dem geplatzten Champions-League-Traum hat der FC […] (02)
bitcoin, currency, finance, coin, crypto, economy
Der Bitcoin-Kurs hat sich nach einem Rückgang auf $79.000 am Freitag beeindruckend […] (00)
PS5-Verkäufe brechen drastisch ein: Sony steht plötzlich unter Druck
Selbst für Sony Interactive Entertainment wird die Lage rund um die PlayStation 5 […] (00)
Offline-Sucht statt Doomscrolling: Junge Menschen wenden sich analogen Hobbys zu
Ob Malen auf einer Leinwand, das Lesen echter Bücher oder gar typische […] (00)
 
 
Suchbegriff