Gefährliche Gratwanderung: Europas Reaktion auf Trump-Putin-Gipfel
Die europäischen Staats- und Regierungschefs zeigen sich besorgt über die jüngsten Entwicklungen nach dem Ukraine-Gipfel zwischen Donald Trump und Wladimir Putin. Man will einseitige politische Entscheidungen vermeiden, die zu Lasten Kiews ausfallen könnten. Im Élysée-Palast in Paris ist von einer Koalition der Willigen die Rede – Verbündete der Ukraine, die bereit sind, eine friedenssichernde Mission zu unterstützen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj plant unterdessen, nach Washington zu reisen, um dort mit Trump zu sprechen.
In Alaska empfing Trump Putin trotz des internationalen Haftbefehls wegen Kriegsverbrechen. Öffentlich wurden keine konkreten Gesprächsinhalte bekannt, doch Trump revidierte seine bisherige Forderung nach einer Waffenruhe vor Friedensverhandlungen. Damit näherte er sich der Linie von Putin an, ohne sichtbare Zugeständnisse von ihm zu erhalten.
Ein Abkommen über die Köpfe der Ukrainer hinweg scheint vorerst abgewendet. Dennoch herrscht eine deutliche Ernüchterung. Putin nutzte die Gelegenheit, um seine Sichtweise der Konfliktursachen klarzustellen. Trump ließ dies unkommentiert und riet Selenskyj später in einem Interview, einem Kompromiss mit dem militärisch überlegenen Russland zuzustimmen.
Die Frage der Gebietsabtretungen bleibt besonders umstritten. Laut US-Medienberichten soll Putin den gesamten Donbass für Russland gefordert haben. Trump habe diese Forderung an Selenskyj weitergegeben.
Immerhin infrage gestellt hat Trump keine der fünf von den Europäern und Selenskyj festgelegten Kernpunkte, wie Bundeskanzler Friedrich Merz versicherte. Merz, mittlerweile offen für Friedensverhandlungen ohne vorherigen Waffenstillstand, sieht Gebietsabtretungen im Rahmen eines Friedensvertrags als möglich, sofern Sicherheitsgarantien umgesetzt werden.
Ob Selenskyjs Besuch in Washington ein Erfolg wird, hängt von den dort gestellten Forderungen ab. Ein vorheriges Treffen zwischen Trump, Putin und Selenskyj ist im Gespräch, wenn auch noch unbestätigt. Merz plant, Selenskyj im Vorfeld gut zu beraten und hofft, dass der ukrainische Präsident diesmal keine Rückschläge erleiden muss.

