Gasspeicherfüllstände auf dem Prüfstand: Entspanntes Abwarten oder berechtigtes Bedürfnis nach Aktion?
Deutschlands Gasspeicher weisen zu Beginn der Heizperiode ungewöhnlich niedrige Füllstände auf, die jedoch von der Bundesnetzagentur als unbedenklich eingestuft werden. Die Initiative Energien Speichern (Ines) teilte mit, dass die Speicher Anfang November lediglich zu 75 Prozent gefüllt waren - ein Wert, der im Vergleich zu den 98 Prozent des Vorjahres merklich abfällt. Die anvisierten 81 Prozent wurden nicht erreicht, da unerwartet hoher Gasverbrauch und schwächere Importe innerhalb des EU-Binnenmarktes die Auffüllung beeinträchtigten.
Obwohl die Ines-Mitgliedsunternehmen ein klares finanzielles Interesse an höheren Speicherfüllständen haben, bleibt die stoische Zuversicht der Bundesnetzagentur unerschüttert. Dank neuer LNG-Terminals empfindet die Behörde die Gefahr einer angespannten Gasversorgung als gering.
Trotz der Gelassenheit der Behörde spart Sebastian Heinermann, Geschäftsführer von Ines, nicht mit Kritik an der politischen Arbeit. Seiner Meinung nach sei bislang unzureichend gehandelt worden, um die Speicherfüllstände sicherzustellen. Er fordert die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Maßnahmen, um die Befüllung unter sicheren und kostengünstigen Bedingungen zu garantieren. Sorgen bereitet außerdem die Möglichkeit, den gesetzlichen Mindestfüllstand von 30 Prozent im Februar 2026 zu verfehlen. In einem solchen Fall könnten das Bundeswirtschaftsministerium und die Netzagentur gezwungen sein, kostspielige Maßnahmen zu ergreifen, ähnlich wie im Winter 2022/23, um erneut auf dem Gas-Weltmarkt einzukaufen.

