Fünfter mutmaßlicher Nazi-Terrorhelfer festgenommen

01. Februar 2012, 18:15 Uhr · Quelle: dpa

Karlsruhe (dpa) - Carsten S. schien schon seit langem aus der rechten Szene ausgestiegen zu sein - nun holte ihn seine braune Vergangenheit ein. GSG-9-Beamte nahmen den 31-Jährigen am Mittwoch in Düsseldorf fest, weil er den Zwickauer Nazi-Terroristen geholfen haben soll.

Der 31-Jährige soll den Terroristen eine Schusswaffe und Munition verschafft haben. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zu sechs Morden und einem Mordversuch vor. Damit befinden sich insgesamt fünf Verdächtige aus dem Umfeld des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) in Untersuchungshaft.

Der nun festgenommene Carsten S. soll im Jahr 2001 oder 2002 in Jena eine Waffe und Munition gekauft haben, die über Mittelsmänner zu den untergetauchten Terroristen gebracht wurden. Dabei habe er es «billigend in Kauf genommen», dass die Waffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte, erklärte die Bundesanwaltschaft. Bislang ist allerdings ungeklärt, ob die Waffe tatsächlich bei den Morden des Terror-Trios zum Einsatz kam. Carsten S. wurde am Mittwochnachmittag dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt. Seine Wohnung in Düsseldorf wurde durchsucht.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler war Carsten S. in den Jahren 1999 und 2000 im rechtsextremistischen «Thüringer Heimatschutz» aktiv - wie zuvor schon die drei Mitglieder der Zwickauer Zelle, die 1998 in den Untergrund gegangen waren. Nach Verfassungsschutz-Informationen wurde er im Juli 2000 zum stellvertretenden Vorsitzenden der Jungen Nationaldemokraten Thüringens gewählt.

Später allerdings scheint sich Carsten S. aus der rechten Szene verabschiedet zu haben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa studierte er Sozialpädagogik an der Fachhochschule Düsseldorf und arbeitete in einer Einrichtung für Homosexuelle. Vergangene Woche wandte er sich über seinen Anwalt an die Presse. Er sei im Jahre 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen, heißt es in der Erklärung. «Seitdem habe ich mich davon distanziert und verabscheue jegliche Art von rechtem, rassistischem und extremistischem Gedankengut. Auch hatte ich nach 2000 keinen Kontakt mehr zur rechten Szene.»

Die Bundesanwaltschaft sieht dies anders. Bis 2003 habe Carsten S. Kontakte in rechtsradikale Kreise unterhalten. «Er stand in enger Verbindung zu den drei im Jahr 1998 abgetauchten Mitgliedern des NSU», so die Ermittler. Zeitweilig soll er der einzige aus dem rechtsextremistischen Umfeld gewesen sein, der noch unmittelbaren Kontakt zu den drei Untergetauchten hielt. Er soll ihnen auch mit Geld ausgeholfen haben.

Das Neonazi-Trio soll für die Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin in Heilbronn 2007 verantwortlich sein. Auch zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2004 und mehrere Banküberfälle sollen auf ihr Konto gehen. Die mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich Anfang November in einem Wohnmobil in Eisenach selbst getötet - wohl, um nach einem Banküberfall der drohenden Festnahme zu entgehen. Die einzige Überlebende des Trios, die 37-jährige Beate Zschäpe, sitzt in Untersuchungshaft. Außerdem befinden sich neben Carsten S. noch vier weitere mutmaßliche Terrorhelfer in Haft.

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags soll bis Mitte 2013 klären, warum das Zwickauer Trio jahrelang morden und rauben konnten und Polizei und Verfassungsschutz davon offensichtlich nichts mitbekamen. Der Ausschuss soll insbesondere klären, ob etwas an der Struktur der Sicherheitsbehörden oder der Zusammenarbeit von Bund und Ländern geändert werden muss. Parallel soll eine Bund-Länder-Kommission vor allem diesen letzten Aspekt genau unter die Lupe nehmen.

In Thüringen, dem Ursprungsland des Zwickauer Trios, arbeitet ein unabhängiger Sonderermittler die Vorgänge auf. Der Landtag in Erfurt setzte ebenfalls einen Untersuchungsausschuss ein.

Extremismus / Kriminalität
01.02.2012 · 18:15 Uhr
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