Fortschritte im Kampf gegen Cyberbedrohungen: Grüne kritisieren langsame Umsetzung
Die Grünen-Fraktion im Bundestag mahnt die Bundesregierung, in ihren Bemühungen zur Abwehr von Sabotage, Spionage und Cyberangriffen deutlich schneller voranzuschreiten. Trotz einiger Fortschritte bei der Problemanalyse seitens Bundeskanzler Friedrich Merz und Innenminister Alexander Dobrindt sei die Umsetzung konkreter Maßnahmen bislang unzureichend, kritisieren Konstantin von Notz und Irene Mihalic. In einer gemeinsamen Erklärung betonen die Grünen-Politiker, dass die hybrid gearteten Bedrohungen eine ernsthafte Gefahr für das freiheitlich-demokratische Miteinander in Deutschland darstellen.
Um derartige Angriffe insbesondere aus Richtungen autoritärer Staaten wie Russland gezielt abzuwehren, fordern die Grünen eine umfassende 'Sicherheitsoffensive' noch vor dem Jahresende. Der Verweis auf den erst im kommenden Jahr arbeitsfähigen Nationalen Sicherheitsrat als universale Lösung genüge nicht, plädieren die Fraktionsvertreter für zügige Aktivierung des neuen Gremiums.
Zusätzlich sei eine weitreichende Reform der Nachrichtendienste unerlässlich, um Schwachstellen in der inneren Sicherheit zu beheben und die Abwehr von Sabotage und Spionage zu optimieren. Ferner mangelt es aus Sicht der Grünen an klaren Plänen zur Verbesserung der Abwehr gegen Drohnenbedrohungen, woraufhin eine Vielzahl offener Sicherheitslücken auf Seiten des Innenministeriums kritisiert wird.
Von besonderer Relevanz sind die Korrekturen im Gesetzentwurf zur NIS-2-Richtlinie der Europäischen Union. Der Entwurf zielt darauf ab, Sicherheitsstandards für kritische Infrastrukturen in nationales Recht zu überführen. Kritische Punkte werden vor allem in den vorgesehenen Ausnahmen für die Bundesverwaltung gesehen, die laut Mitgliedern der Konrad-Adenauer-Stiftung die Resilienz gefährden könnten.
Die Grünen betonen die essentielle Bedeutung von Cybersicherheit als staatliche Kernaufgabe und plädieren für einen erweiterten Schutz öffentlicher Strukturen, um katastrophale Sicherheitslücken in Krisenzeiten zu vermeiden. Auch die kommunalen Verwaltungen wurden in den Fokus gerückt, um Vorkehrungen gegen Cyberangriffe, wie die auf Anhalt-Bitterfeld im Sommer 2021, zu intensivieren.
Im Gesetzentwurf werden rund 29.500 Unternehmen, darunter Energie- und Gesundheitsdienstleister sowie digitale Dienste, verpflichtet, weitreichende Sicherheitsvorkehrungen zu installieren und bei Cyberangriffen umgehend Bericht zu erstatten. Ferner soll das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn verstärkte Aufsichtsrechte erhalten, um gegebenenfalls Bußgelder verhängen zu können.

