Finanzaufsicht nimmt Gerresheimer unter die Lupe: Bilanzierungsfragen im Fokus
Der renommierte Hersteller für Pharma- und Kosmetikverpackungen, Gerresheimer, ist ins Visier der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geraten. Die Behörde hat eine umfassende Überprüfung des Konzernabschlusses 2023/24, der Ende November abgeschlossen wird, sowie des dazugehörigen Lageberichts initiiert. Dieser Schritt erfolgte, nachdem konkrete Verdachtsmomente auf mögliche Verstöße gegen die Rechnungslegungsvorschriften bekannt wurden. Gerresheimer hat sich zur vollständigen Zusammenarbeit bereit erklärt und betont, den Vorschriften entsprechend bilanziert zu haben.
An den Kapitalmärkten sorgte die Nachricht für erhebliche Turbulenzen: Die Aktien verloren zunächst über ein Drittel ihres Wertes. Nach der Stellungnahme des Unternehmens reduzierten sich die Verluste, wobei die Aktie zuletzt um etwa ein Fünftel fiel. Seit dem Jahresbeginn hat die Aktie somit mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.
Im Detail bezieht sich die Untersuchung auf 'Bill-and-Hold'-Vereinbarungen, die im letzten Drittel des vorangegangenen Geschäftsjahres getroffen wurden. Jetzt wird geprüft, ob die daraus resultierenden Umsätze im letzten Jahr oder erst im laufenden Jahr 2025 ausgewiesen werden dürfen. Die fraglichen Umsatzbeträge betragen einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag innerhalb eines Gesamtumsatzes von über zwei Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2023/24.
Trotz der unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Bilanzierung zeigt sich Gerresheimer entgegenkommend. Finanzvorstand Wolf Lehmann unterstrich die Bedeutung der Prüfung und bekräftigte die Absicht des Unternehmens, mit der BaFin transparent und kooperativ zusammenzuarbeiten, um die Sachlage vollständig aufzuklären.

