Fed in der Zwickmühle: Inflation trotzt schwächerem Arbeitsmarkt
Fed-Chef Jerome Powell sieht sich einer herausfordernden Lage gegenübergestellt: Einerseits droht ein schneller als erwartetes Anziehen der Inflation, andererseits wirft das schwache Jobwachstum Fragen zur Stabilität des Arbeitsmarkts auf. In einer Rede vor der Greater Providence Chamber of Commerce in Rhode Island hielt sich Powell bedeckt zu möglichen Zinssenkungen. Er betonte, dass sowohl ein zu schnelles Senken der Zinsen als auch ein zu langsames Handeln Risiken berge – von einer Inflationsspirale bis hin zu einem unnötigen Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Spannungen auf den Märkten waren unverkennbar. Der S&P 500 verzeichnete einen Rückgang von 18,42 Punkten auf 6.675,44 Punkte. Auch im Anleihebereich sanken die Renditen: Für die 10-jährigen US-Treasuries fiel der Wert um 0,4 Basispunkte auf 4,141%, während die 2-jährigen auf 3,599% zurückgingen. Der Dollar-Index stieg kurzzeitig, bevor er einen Rückgang um 0,05% auf 97,27 verzeichnete.
Oliver Pursche, Senior Vice President bei Wealthspire Advisors in New York, äußerte, dass Marktteilnehmer Zinssenkungen von insgesamt 50 Basispunkten dieses Jahr erwartet hätten, jedoch bislang nur 25 Basispunkte gekommen seien. Die jüngsten Kommentare von Powell und anderen Fed-Vertretern ließen Zweifel aufkommen, ob weitere Senkungen folgen würden.
Die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft und der Konsumenten ist bemerkenswert, doch das Risiko eines schwächelnden Arbeitsmarktes bleibt bestehen. Sollte sich der Trend von weniger Einstellungen zu Entlassungen drehen, könnte dies die Konsumausgaben bremsen – ein kritischer Faktor, insbesondere im Vorfeld des vierten Quartals.
Powell betonte, dass die Inflationsrisiken real und hartnäckig seien, was die Fed in eine schwierige Entscheidungsposition zwinge. Für den S&P 500, der das dritte Jahr in Folge zweistellige Renditen verzeichnet, wird dringend ein neuer Aufwärtstreiber benötigt – doch dieser ist derzeit nicht in Sicht.

