Fed: Das vergessene dritte Mandat und seine Bedeutung
Die meisten Amerikaner wären wohl ratlos, wenn man sie nach dem Mandat des Federal Open Market Committee (FOMC) fragen würde. Unter Ökonomen, Wall-Street-Analysten und innerhalb der Fed selbst wird jedoch das „doppelte Mandat“ hochgehalten: Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Dies betont auch Fed-Chef Jerome Powell in seinen Reden regelmäßig.
Doch die Fed handelt tatsächlich nicht nur nach einem doppelten, sondern nach einem dreifachen Mandat, wie der von Trump ernannte FOMC-Mitglied Stephen Miran bei einer Anhörung vor dem Senatsbankenausschuss betonte. Neben Preisstabilität und Beschäftigung nennt das Federal Reserve Act aus den 1970er Jahren auch „mäßige langfristige Zinssätze“ als Ziel.
Die Reaktionen auf dieses oft vergessene dritte Ziel sind gemischt. Während einige Experten es als implizit erfüllt ansehen, weil stabile Inflation und Beschäftigung auch moderate Zinsen fördern, meinen andere, die Fed ignoriere es bewusst. Die Definition mäßiger Zinssätze ist zudem interpretationsbedürftig. Ob es um zehnjährige Staatsanleihen oder um breitere finanzpolitische Stabilität geht, bleibt offen.
Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Entfernung dieses Punktes aus dem Mandat die Fed und den US-Haushalt gefährden würde. Während Kritiker meinen, die Fed entziehe sich durch das Auslassen dieses Punktes ihrer Verantwortung, weist Powell das zurück. Er argumentiert, dass moderate langfristige Zinssätze aus stabiler Inflation und Beschäftigung resultierten.
Fachleute betonen, dass die Fed wenig Einfluss auf die langfristigen Zinsen habe und eher kurzfristige Sätze steuere, um finanzielle Bedingungen zu beeinflussen. Zudem wäre eine aktive Kontrolle über langfristige Zinsen politisch heikel, da dies Eingriffe in die Haushaltspolitik nach sich zöge. Die meisten befragten Experten sind sich einig, dass das dritte Mandat trotz fehlender Diskussion nicht gestrichen werden sollte.
Sollte die Fed dieses Ziel verlieren, könnten dies Märkte als Abkehr der USA von ihrer Schuldenverantwortung interpretieren. Auf lange Sicht bergen Eingriffe in das Mandat mehr Risiken als Nutzen, mahnen Ökonomen. Trotz allem sehen Experten die Fed auf einem guten Weg, alle Ziele ihres Mandats zu erfüllen, auch wenn nicht jedes Detail öffentlich thematisiert wird.

