EZB: Spielraum für Wachstumsfördernde Zinssenkungen?
Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte in Zukunft die Wirtschaft mit Wachstumsanreizen unterstützen, ohne die Zügel zu straff zu halten, wie Francois Villeroy de Galhau, Mitglied des EZB-Rats, verlauten ließ. Derzeit sei es zu früh, um die genauen Sätze festzulegen, doch gäbe es erheblichen Spielraum, um die Zinsen zu senken, bevor diese die Wirtschaft belasten. Eine weitere Reduzierung im Dezember sei so gut wie sicher, wobei flexibel auf kommende Entwicklungen im Zinsniveau reagiert werden sollte.
Mit einer nachhaltigen Annäherung an die 2%-Inflationsmarke und einem schleppenden Wirtschaftswachstum sehe Villeroy keine Notwendigkeit für eine restriktive Geldpolitik. Bei anhaltend schwachem Wachstum und Risiken einer Unterschreitung des Inflationsziels könnte eine stärkere Senkung in Betracht gezogen werden.
Geldmärkte reagieren bereits auf Spekulationen hinsichtlich der Zinssenkungen im kommenden Jahr, mit Erwartungen über insgesamt 150 Basispunkte. Deutsche, französische und italienische Anleihen zeigen deutliche Kursänderungen, wobei die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen auf 2,13% gefallen ist.
Unterdessen mahnt Isabel Schnabel vom EZB-Direktorium zur Vorsicht: zu weit gehende lockere Maßnahmen könnten bei strukturellen Problemen wenig effektiv sein. Italiens Fabio Panetta hingegen ist offen für eine beweglichere Haltung der EZB, sollte dies notwendig werden. Während Schnabel einen neutralen Zinssatz bei etwa 3% vermutet, sieht Villeroy diesen bei 2% bis 2,5%.
Die Erwartungen an eine vierte Zinsreduktion beim letzten Treffen der EZB 2024 sind hoch, wobei mit einer weiteren Senkung um einen Viertelpunkt gerechnet wird. Dennoch besteht ein kleines Risiko, dass schwache Wirtschaftsdaten zu einer umfassenderen Maßnahme führen könnten. Villeroy betont, dass alle Optionen hinsichtlich der Größe der Kürzung offenbleiben sollten, abhängig von den aktuellen Daten und den ökonomischen Projektionen.

