EZB in abwartender Haltung: Zinsdiskussion erst im Herbst
Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt sich laut einem ihrer Ratsmitglieder, Boris Vujcic, gelassen und sieht keinen Anlass zur Eile, wenn es um weitere geldpolitische Maßnahmen geht. Der kroatische Zentralbankchef äußerte bei Bloomberg Television, dass eine umfassende Diskussion über mögliche Zinsänderungen frühestens im September zu erwarten sei. Vujcic betonte, dass die EZB derzeit in einer komfortablen Position sei.
Die Notwendigkeit, noch etwas länger auf aktuelle Daten und neue Prognosen zu warten, begründet den vorsichtigen Ansatz der EZB. Insbesondere die kommenden Projektionen zur wirtschaftlichen und preislichen Entwicklung, die im September präsentiert werden sollen, stehen im Fokus der Notenbank. Jüngst hatte die EZB ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte reduziert und den Einlagensatz auf 2,0 Prozent festgelegt. Die Inflationsrate in der Eurozone war im Mai auf 1,9 Prozent gesunken, und damit unter das mittelfristige Ziel von zwei Prozent gefallen.
Auch Francois Villeroy de Galhau, Frankreichs Notenbankchef und ebenfalls Mitglied des EZB-Rates, äußerte sich am Dienstag ähnlich. Er spiegelte wider, dass die aktuellen Zinsen durchaus vorteilhaft positioniert seien, warnte jedoch angesichts des 'unsicheren Umfelds' in der Eurozone. Die EZB werde weiterhin flexibel und datenbasiert agieren, sollte dies erforderlich werden.

