EZB hält an Zinspause fest: Vorsicht dominiert trotz Konjunkturhoffnungen
Der Euroraum startet mit optimistischen Konjunkturerwartungen ins Jahr 2026, bleibt dabei jedoch bei vergleichsweise niedrigen Leitzinsen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zum vierten Mal in Folge die Zinsen nicht verändert; der Einlagenzins verharrt weiterhin bei 2,0 Prozent. Diese Entscheidung reflektiert die Unsicherheit der Zeiten und die bisher erfolgreiche Eindämmung der Inflation, weshalb sich die Notenbank entschließt, ihre Zinspause zu verlängern.
Führende Ökonomen sehen die EZB-Politik mit gemischten Gefühlen. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, zeigt sich zufrieden mit der derzeitigen Inflationsentwicklung und den Leitzinsen, die die Wirtschaft nicht ausbremsen. Er erwartet keine Veränderung im kommenden Jahr, da die Argumente für Zinssenkungen wie Zinserhöhungen im Gleichgewicht liegen.
Doch nicht alle Experten teilen diese Ansicht. Jörg Krämer von der Commerzbank verweist auf die positiven Wachstums- und Inflationsprognosen der EZB, die auf zukünftige Zinserhöhungen hindeuten könnten. Dennoch sieht er die hohe Staatsverschuldung als bremsenden Faktor, der die Zinspolitik unverändert lassen dürfte.
Auch Klaus Bauknecht von der IKB Deutsche Industriebank interpretiert die derzeitige Entscheidung als Hinweis auf eine länger anhaltende neutrale Geldpolitik. Trotz stabiler Politik bleibt das Prognoserisiko bestehen, vor allem durch Importpreise, die durch China deflationär wirken.
Thomas Gitzel von der VP Bank betont, dass die EZB vorerst keinen Spielraum für Zinssenkungen sieht, da steigende Dienstleistungspreise eine Lockerung der Geldpolitik verhindern. Somit erwartet er für 2026 das Fortbestehen der aktuellen Zinslage.

