Evonik-Chef Kullmann warnt Mittelstand vor Annäherung an die AfD
Christian Kullmann, Vorstandschef des Chemiekonzerns Evonik, hat klare Worte für mittelständische Unternehmen, die sich politisch der AfD annähern. Kullmann äußerte im Gespräch mit dem „Spiegel“ seine Sorge über eine zunehmende Nähe einiger Mittelständler zu den Positionen der Partei. Er betonte die Notwendigkeit eines deutlichen Bekenntnisses der Industrie gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD. Der Unmut des Evonik-Chefs, dessen Unternehmen rund 15,2 Milliarden Euro Umsatz jährlich erzielt und über 30.000 Mitarbeiter beschäftigt, ist spürbar. Besonders problematisch sieht er die Tendenz vieler Wähler, autoritäre Lösungen dem demokratischen Diskurs vorzuziehen, was er auf Ängste vor sozialen und wirtschaftlichen Verlusten zurückführt. Umso wichtiger sei, nach Kullmann, die Stärkung der Industrie.
Ein bemerkenswertes Eigentümerverhältnis des Essener Unternehmens ist die fast 47-prozentige Beteiligung der RAG-Stiftung, die sich den sogenannten „Ewigkeitsaufgaben“ des Steinkohlenbergbaus widmet. Im Oktober 2025 hatte der Verband der Familienunternehmen einen kritischen Fehler eingestehen müssen: Zur Empörung zahlreicher Mitglieder wurden AfD-Vertreter zu einem Parlamentarischen Abend in Berlin eingeladen.
Nach massivem Druck und dem Austritt prominenter Firmen wie Rossmann, Vorwerk und Fritz-Kola wurde die Einladung zurückgezogen. Der prominente Molkerei-Unternehmer Theo Müller fand sich ebenfalls in der Kontroverse wieder. Schon im Januar hatte Müller rechtliche Schritte gegen Vorwürfe eingeleitet, ein Unterstützer der AfD zu sein. Er betonte in einem Interview, sich zwar zwischen „interessiertem Beobachter“ und „Sympathisant“ zu bewegen, jedoch weder Mitglied noch Förderer der Partei zu sein. Müller räumte jedoch regelmäßige Kontakte zur AfD-Spitze ein und bezeichnete Alice Weidel sogar als persönliche Freundin.

