Europas neue Gesundheitsherausforderung: Chikungunya auf dem Vormarsch
Eine aktuelle Studie der Royal Society enthüllt besorgniserregende Erkenntnisse zur Ausbreitung des Chikungunya-Virus in Europa. Während die Erkrankung lange als rein tropisches Phänomen galt, deuten die neuen Forschungsergebnisse darauf hin, dass der Virus wohl auch bei niedrigeren Temperaturen übertragbar ist als bisher vermutet. Bisher auf tropische Regionen beschränkt, hat der Virus durch die globale Erwärmung an Einfluss gewonnen. Kürzlich traten in Südwesteuropa wiederholt Ausbrüche auf, die sich bis nahe der deutschen Grenze erstreckten. Zwar ist eine lokale Übertragung in Deutschland noch nicht bekannt, die Gefahr bleibt aber aufgrund der zunehmenden Präsenz der Asiatischen Tigermücke, eines Hauptüberträgers, allgegenwärtig.
Chikungunya kann für Betroffene äußerst schmerzhafte Gelenkbeschwerden verursachen, die in extremen Fällen über Jahre bestehen bleiben. Besonders chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge sind gefährdet, obwohl die Infektion meist nicht tödlich verläuft. Nach einer überstandenen Erkrankung scheint jedoch eine lebenslange Immunität gegeben zu sein. Forschungen unter Leitung von Sandeep Tegar legen nahe, dass das Virus bei Temperaturen ab 14 Grad Celsius übertragbar ist, was die Sommermonate als Hauptrisikoperiode identifiziert. Besonders in den Mittelmeerregionen könnte die Übertragung von Mai bis November stattfinden, allen voran in Ländern wie Italien, Spanien und Griechenland. Deutschland zählt aktuell zu den Gebieten mit mittlerem Risiko.
Seit ihrer Einschleppung im Jahr 2007 haben sich die Tigermücken von Südeuropa aus nach Norden ausgebreitet. Die WHO berichtet inzwischen von Infektionen in über 110 Ländern weltweit. Trotz steigender Fallzahlen sind die beiden verfügbaren Impfstoffe noch nicht flächendeckend genutzt. Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten nehmen Übertragungen durch Aedes-Mücken kontinuierlich zu. Mit 27 gemeldeten Chikungunya-Ausbrüchen alleine im letzten Jahr, sind steigende Temperaturen, verlängerte Sommer und mildere Winter als Hauptursachen zu erkennen. Diese klimatischen Veränderungen könnten die Gesundheitslandschaft Europas erheblich beeinflussen.

