Europas Atomdebatte: Mehrheit der Deutschen befürwortet eigenen Schutzschirm
Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zeigt, dass eine Mehrheit der Bundesbürger den Aufbau eines eigenständigen europäischen nuklearen Schutzschildes unterstützt. 64 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Europa zukünftig unabhängig von den USA eine eigene atomare Abschreckung entwickelt, während nur 29 Prozent dieser Idee kritisch gegenüberstehen.
Diese Zahlen stammen aus einer Studie für die Zeitschrift „Internationale Politik“ und wurden kurz vor den jüngsten Spannungen im Konflikt zwischen Israel und Iran erhoben, an dem sich auch das US-Militär beteiligte. Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU verfolgt seit Langem das Ziel, mit den Atommachtstaaten Frankreich und Großbritannien über eine eigene nukleare Abschreckung zu beratschlagen.
Der Hintergrund dieser Initiative ist das Bedürfnis Europas, sich angesichts der unvorhersehbaren Politik des damaligen US-Präsidenten Donald Trump unabhängiger zu positionieren. Besonders überraschend ist die breite Unterstützung quer durch alle politischen Lager.
Gerade bei befragten Wählern der Grünen ist der Zuspruch mit 78 Prozent sehr hoch, dicht gefolgt von CDU/CSU-Anhängern mit 71 Prozent. Ebenfalls befürworten 65 Prozent der SPD-Wähler den eigenständigen Schutzschirm.
Auch in der ostdeutschen Bevölkerung gibt es mit 52 Prozent eine knappe Mehrheit, obwohl die Zustimmung hier etwas niedriger als im Westen liegt, wo sie bei 66 Prozent liegt. Erwähnenswert ist auch, dass bei den jüngeren unter 45 Jahren die Unterstützung mit 58,5 Prozent unter dem Gesamtdurchschnitt rangiert, während die ältere Bevölkerung mit 67,5 Prozent klar dominanter zustimmt.
All diese Variationen zeigen, dass der Wunsch nach einem eigenständigen europäischen Schutzschild eine bemerkenswerte politische Geschlossenheit hervorruft, die in außenpolitischen Fragen selten zu sehen ist.

