Europas Aktienmarkt: Optimismus kehrt zurück
Europas Aktienmärkte erhalten frischen Rückenwind von Investoren, die ermutigt werden durch nachlassende Handelsspannungen, sinkende Inflationsängste und die erwartete Unterstützung der Zentralbanken. Jüngste Erkenntnisse aus dem European Fund Manager Survey der Bank of America zeigen, dass Anleger zunehmend auf eine sanfte wirtschaftliche Landung setzen. Die Hoffnung ist groß, dass die globale monetäre Lockerung, insbesondere durch die US-Notenbank, das nachlassende Wirtschaftstempo in wichtigen Märkten ausgleichen wird.
Trotz wachsender Besorgnis über den schwächelnden US-Arbeitsmarkt verbleibt der Optimismus für ein erneutes Wirtschaftswachstum hoch. Die zuvor stark ausgeprägte Erwartung, dass Europa den USA wirtschaftlich überlegen ist, hat sich angesichts politischer Instabilität und enttäuschenden Gewinnwachstums etwas relativiert. Der Netto-Überhang europäischer Aktien in globalen Portfolios sank auf 15% von einem Höchstwert von 41% im Juli. Dennoch hat sich die Gesamtstimmung für europäische Aktien deutlich verbessert.
Der Glaube an weiter steigende Unternehmensgewinne stärkt diesen Optimismus beträchtlich. 70% der europäischen Fondsmanager erwarten, dass stärkere Gewinne der Haupttreiber für Kursgewinne sein werden, während nur 26% Gewinnrückgänge als primäres Risiko für eine Marktkorrektur sehen. Der makroökonomische Ausblick der Umfrageteilnehmer zeigt weiter auf eine "weiche, aber stagflationäre" Landung, wenngleich der Anteil der Investoren, die mit Stagflation rechnen, gesunken ist.
Steigende Unterstützung findet die Ansicht, dass eine gutartige Inflationsabnahme wahrscheinlich ist, während die Erwartungen an eine globale Rezession weiter zurückgehen. Deutsche Fiskalexpansion wird von 74% der Investoren als Schlüssel für ein europäisches Wachstum angesehen, erheblich wichtiger als chinesische Stimuli oder EZB-Politik. Trotzdem bleiben einige Risiken bestehen. Eine zweite Inflationswelle und mögliche Einschränkungen der Unabhängigkeit der US-Notenbank gelten als größte Gefahren.
Trotz positiver Gewinnprognosen beginnen europäische Investoren, ihre Positionierung zu hinterfragen. Der besorgte Anteil über fehlende defensive Engagements hat sich signifikant erhöht. Zugleich wird Gesundheitssektor nun als attraktivster Sektor angesehen. Geografisch bleibt Deutschland der bevorzugte Aktienmarkt in Europa, Frankreich hingegen aufgrund politischer Risiken am unbeliebtesten. Spanien rangiert, gestützt durch stabile Gewinne im Bank- und Versorgungssektor, an zweiter Stelle.
Nach einem Sommer mit geldpolitischen Kurswechseln und abflauenden geopolitischen Risiken zeigen sich europäische Fondsmanager verhalten optimistisch für den Jahresendspurt. Während strukturelle Herausforderungen und politische Unsicherheiten andauern, verleiht die Kombination aus schwindenden Handelsspannungen, unterstützenden Fiskalplänen und positiverem Gewinnklima dem europäischen Aktienmarkt neue Dynamik.

