Europäische Rückversicherer im Preisdruck: Marktumfeld wird herausfordernder
Die aktuelle Erneuerungsrunde der Rückversicherungsverträge drängt die Aktien europäischer Anbieter in eine Abwärtsbewegung, da der Preisdruck weiter zunimmt. Zum Jahresbeginn werden die Policenpreise neu verhandelt, und Analysten prognostizieren ein Ende der goldenen Zeiten für die Branche.
Die Aktien von Munich Re verzeichneten im deutschen Leitindex Dax einen Rückgang um 1,2 Prozent auf 533,80 Euro, nachdem sie bereits am Freitag fast vier Prozent verloren hatten. Hannover Rück fiel um 1,5 Prozent auf 253,00 Euro und erlitt seit Anfang des Jahres einen Verlust von fünf Prozent.
Im Schweizer SMI brachen die Aktien von Swiss Re um 3,8 Prozent auf 127,75 Franken ein, während Scor in Frankreich um 1,1 Prozent auf 27,90 Euro nachgaben, nach einem Verlust von knapp zwei Prozent am Freitag. Auch Beazley in London verzeichnete einen Rückgang um 2,6 Prozent auf 796 Pence, während Hiscox um 1,4 Prozent auf 1.379 Pence fiel.
Die Analysten Michael Christodoulou und Michael Huttner von Berenberg bezeichnen die kommende Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2026 als eine Phase der Marktberuhigung. Die ehemals hohen Kosten für Rückversicherungsschutz, begründet durch die Risikobewertung, scheinen einem Ende entgegenzugehen. Versicherungskonzerne verfügen über reichlich Kapital, doch der verschärfte Wettbewerb und die Anpassung der Preise auf ein hohes Niveau führen zu einer Verwässerung der harten Marktbedingungen.
Ivan Bokhmat von Barclays merkt ebenfalls den steigenden Preisdruck bei den diesjährigen Erneuerungen an, was zusätzliche Risiken für die Schätzungen mit sich bringt. Während der Preisrückgang für Sachkatastrophen auf 12 Prozent begrenzt ist und den Erwartungen entspricht, könnte in anderen Sparten eine stärkere Abschwächung vorliegen.
Die Rentabilität der Rückversicherer sollte laut Bokhmat zwar weiterhin die Eigenkapitalkosten decken, doch wird eine bessere Anpassung von Angebot und Nachfrage bis 2026/2027 erwartet. Ein erheblicher Bestand an überschüssigem Kapital – derzeit geschätzt auf 50 bis 100 Milliarden US-Dollar – könnte die Vertragsverlängerungen zusätzlich belasten und zu einer anhaltenden Übersättigung des Marktes bis 2027 führen.
Nach dem schweren Rückschlag während der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 erholte sich die europäische Versicherungsbranche bis 2023 vollständig und zeigte bis Ende 2025 ein Kursplus von fast 60 Prozent.

