Europäische Börsen im Balanceakt zwischen Hoffnung und Skepsis
Die europäischen Aktienmärkte haben ihren Erholungskurs gebremst fortgesetzt. Zweifel an der Glaubwürdigkeit der US-Regierungsaussagen bezüglich der Strafzollaussetzung sorgen für Unsicherheit. Marktexperte Andreas Lipkow äußerte Bedenken über mögliche Kursänderungen durch den US-Präsidenten, die die fragile Erholung zunichtemachen könnten.
Der EuroStoxx 50 legte um 0,83 Prozent zu und erreichte 4.952,38 Punkte. Auch der Schweizer SMI konnte mit einem Plus von 0,31 Prozent auf 11.534,62 Punkte Gewinne verbuchen. Der britische FTSE 100 stieg um 0,9 Prozent auf 8.207,72 Punkte. Die Märkte zeigten sich trotz der extremen Schwankungen der Vorwoche relativ ruhig.
Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets betonte, dass die Volatilität abnimmt und somit erste Käufer anzieht. Besonders Autowerte profitierten, da US-Präsident Donald Trump Autoherstellern Ausnahmen von Zöllen in Aussicht stellte. Deutsche Hersteller wie BMW und Mercedes waren besonders gefragt, da ihnen mehr Zeit gegeben werden könnte, ihre Lieferketten anzupassen.
Auch Immobilienaktien gehörten vor der Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag zu den Gewinnern. Robert Greil von Merck Finck prognostiziert nicht nur die erwartete Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte, sondern auch weitere Senkungen im laufenden Jahr. Telekomtitel wie Ericsson waren ebenfalls gefragt, nachdem überraschend starke Quartalsergebnisse präsentiert wurden.
Analyst Ulrich Rathe von Bernstein hob die bemerkenswerten Margensteigerungen hervor, insbesondere im Amerika-Geschäft, welches den Umsatz um 20 Prozent steigern konnte. Ein Dämpfer kam hingegen aus der Luxusbranche. Schwache Umsätze von Branchenführer LVMH belasteten nicht nur deren Aktie, sondern auch andere Luxuswerte. Die LVMH-Aktie fiel um 7,4 Prozent, während Kering um 2,4 Prozent nachgab. Einige Titel konnten sich nach frühen Verlusten jedoch stabilisieren.

