Europa zwischen Eigenverantwortung und transatlantischer Entfremdung
Nach dem abrupten Ende eines Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, äußerte sich der Politikwissenschaftler Joachim Krause besorgt über die Rolle der USA als Partner der westlichen Demokratien. Krause, der ehemalige Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, erklärte, die US-Regierung habe sich faktisch aus der westlichen Gemeinschaft verabschiedet. Dieser Rückzug zeigt sich nicht nur in einer veränderten Haltung zur Demokratie, sondern auch durch das mögliche Ausbleiben zukünftiger Militärhilfen.
Krause skizzierte seine Überlegungen, inwieweit Europa die Unterstützung der Ukraine unabhängig von den Vereinigten Staaten intensivieren sollte. Der Politikwissenschaftler betonte, dass eine Entschuldigung Selenskyjs gegenüber Trump keine große Wirkung entfalten werde. Stattdessen fordert er die Europäer auf, die eigenen Anstrengungen zu verstärken und eventuell neue Rekruten für den ukrainischen Wehrdienst zu mobilisieren.
Vor dem bevorstehenden Ukraine-Sondergipfel in London prognostiziert Krause zwei mögliche Szenarien: eine mögliche Wiederannäherung an die USA oder aber den verstärkten Wunsch Europas, das Ukraine-Problem eigenständig zu lösen. In beiden Fällen stehe der Zusammenhalt der westlichen Allianz auf dem Prüfstand, während die politischen Akteure die richtige Balance zwischen Eigenverantwortung und Unterstützung versuchen zu finden.

