Euro trotzt Handelskonflikt und verteidigt Gewinne
Die europäischen Finanzmärkte beobachten weiterhin gespannt das dominierende Thema: den von den USA entfachten globalen Zollkonflikt. Der Euro, der sich bereits am Vortag stark präsentierte, hält seine Gewinne weitgehend stabil. So notiert die Gemeinschaftswährung am Nachmittag bei 1,0968 US-Dollar und zeigt sich damit etwas schwächer als noch zu Handelsbeginn. Doch zwischenzeitlich erreichte der Euro sogar die Marke von über 1,11 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs auf 1,1057 Dollar festgesetzt.
Der Antrieb für den gestärkten Euro kam maßgeblich durch eine signifikante Schwäche des Dollars, ausgelöst durch die Eskalation der US-amerikanischen Handelspolitik. Die nahezu weltweiten Zölle, die von der US-Regierung angekündigt wurden, belasten den Dollar stark. Noch bevor die Ankündigungen gemacht wurden, lag der Euro bei rund 1,08 Dollar.
Die Situation spitzt sich weiter zu, nachdem China auf die US-Zölle mit massiven Gegenzöllen reagierte, die ab dem 10. April in Kraft treten sollen. Zusätzlich platzierte Peking elf amerikanische Unternehmen auf eine Schwarze Liste, was diesen die Fortführung ihrer Handelsgeschäfte mit China erschwert oder gar unmöglich macht.
Die Finanzmärkte zeigen sich in dieser turbulenten Phase besonders sensitiv für eine mögliche Abschwächung der US-Wirtschaft. Während Inflationsängste weniger in den Vordergrund treten, fokussieren sich Investoren auf eine potenzielle Wachstumsverlangsamung. Im Lauf des Jahres wird mit bis zu vier Leitzinssenkungen in den USA gerechnet. Bemerkenswert ist, dass selbst die positiven US-Arbeitsmarktzahlen aus dem März kaum Beachtung finden, wie der Volkswirt Dirk Chlench von der LBBW anmerkt.
Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der Commerzbank, orakelt eine schwächere Entwicklung des Arbeitsmarktes infolge steigender Unternehmens- und Konsumentenbelastungen voraus. Er sieht eine gedämpfte Einstellungsbereitschaft aufseiten der Unternehmen.
Unter den internationalen Währungen legt die EZB den Euro-Referenzkurs auf 0,84985 britische Pfund, 160,56 japanische Yen und 0,9407 Schweizer Franken fest. In London verzeichnet die Feinunze Gold einen Preis von 3.044 Dollar, ein Rückgang um etwa 71 Dollar gegenüber dem Vortag.

