Euro im Höhenflug: US-Zollpolitik beflügelt Gemeinschaftswährung
In einer bemerkenswerten Reaktion auf das umfangreiche Zollpaket der US-Regierung erfährt der Euro am Donnerstag einen deutlichen Aufschwung. Der Kurs der Gemeinschaftswährung erreichte am Nachmittag mit 1,1145 US-Dollar den höchsten Stand seit einem halben Jahr.
Noch am Vorabend, vor der Ankündigung weitreichender Zölle durch US-Präsident Donald Trump, hatte der Euro lediglich 1,0850 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1097 Dollar fest, verglichen mit 1,0803 Dollar am Mittwoch.
Der Dollar geriet im Zuge dieser Entwicklungen gegenüber sämtlichen wichtigen Währungen unter Druck. Vor allem der Schweizer Franken und der japanische Yen verbuchten beträchtliche Zugewinne.
Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der jüngsten Wochen hatten dem Dollar bereits stark zugesetzt. Präsident Trump erklärte eine Verhängung pauschaler Zölle von zehn Prozent auf Importe aus aller Welt.
Bei Handelsdefiziten können Strafzölle sogar noch höher ausfallen, insbesondere auf Waren aus Deutschland und anderen EU-Staaten mit neuen Tarifen von 20 Prozent. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, prophezeit einen globalen Handelskrieg und warnt vor gravierenden Schäden für die Weltwirtschaft, einschließlich der USA.
Die Einfuhrgebühren könnten zudem die Inflationsraten weiter anheizen und so die US-Notenbank unter Druck setzen. Den Finanzmärkten zufolge überwiegen aktuell die Sorgen um das Wirtschaftswachstum in den USA die Inflationsängste.
Es wird bereits mit vier Zinssenkungen um je 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr spekuliert, um die Konjunktur zu stützen. Diese Maßnahme könnte allerdings den Dollar weiter schwächen.
Zusätzlich verschlechterte sich im März die Stimmung im entscheidenden US-Dienstleistungssektor. Der ISM-Einkaufsmanagerindex rutschte auf den niedrigsten Stand seit neun Monaten ab und sank stärker als prognostiziert.
Laut Helaba-Analyst Ralf Umlauf belasten sowohl die schlechten Konjunkturaussichten als auch die angekündigten US-Zölle das wirtschaftliche Umfeld. Neben dem Euro legte die Europäische Zentralbank die Referenzkurse für den Euro wie folgt fest: 0,84163 britische Pfund, 162,17 japanische Yen und 0,9538 Schweizer Franken.
Der Preis für eine Feinunze betrug am Nachmittag in London 3.106 Dollar, was einem Rückgang von etwa 28 Dollar gegenüber dem Vortag entspricht.

