EURAU: Kann der Euro-Stablecoin den Dollar-Stablecoin angreifen?

Dieser Artikel schaut hinter die Kulissen der neuen europäischen Krypto-Offensive: Was steckt hinter dem Euro-Stablecoin EURAU? Warum setzt das Projekt auf streng geregelte Strukturen statt hohe Volumina? Und welche Rolle spielt Vertrauen in einer Welt digitaler Währungen?
Das Problem mit der Verwendung von Kryptowährungen
Noch ist die breite Nutzung von Kryptowährungen selten mehr als eine Absichtserklärung. Stablecoins werden zwar zunehmend in DeFi-Plattformen, institutionellen Prozessen und regulierten Pilotprojekten eingebunden, doch viele Vorhaben stecken in frühen Phasen. Die nötige Infrastruktur fehlt, Skaleneffekte bleiben aus und die Alltagstauglichkeit lässt weiter auf sich warten. Vom vollintegrierten Euro-Stablecoin im Massenmarkt ist Europa damit noch weit entfernt.
Ein Beispiel für reale Nutzungsmöglichkeiten von Kryptowährungen ist das Glücksspiel. Nur ein Bruchteil der Zahlungen wird über virtuelle Münzen abgewickelt, aber die Tendenz ist stark steigend. Spezialisierte Anbieter, wie das Winz Casino, bei dem Krypto-Zahlungen bereits im Einsatz sind, haben dies nutzen können, um sich in einem sehr kompetitiven Markt zu positionieren. Es ist davon auszugehen, dass die Adaption von Kryptowährungen in derartigen Bereichen deutlich steigen wird.
Impulse kommen zudem von großen Zahlungsdienstleistern. PayPal liebäugelt beispielsweise schon länger damit, Kryptowährungen alltagstauglicher zu machen. Solche Intermediäre könnten entscheidend sein, um einen Stablecoin im Alltag erstmals wirklich greifbar zu machen.
Euro-Stablecoins im Schatten des Dollar-Standards
Der globale Stablecoin-Markt bringt es auf ein stattliches Marktvolumen von 272,9 Milliarden US-Dollar. Doch über 95 Prozent davon laufen über US-Dollar-basierte Coins wie USDT und USDC. Euro-Stablecoins spielen bisher kaum eine Rolle, ihr Marktanteil liegt gerade einmal bei 0,2 Prozent. Europa bleibt also weitgehend Zuschauer, dabei schlummert hier enormes Potenzial.
Wie schnell sich digitale Vermögenswerte in Szene setzen können, zeigte XRP im Jahr 2023: Eine Schlagzeile ging viral, nachdem durch eine regulatorische Entscheidung klar wurde, dass XRP kein Wertpapier ist. Der Kurs des Coins schnellte nach oben und unterstrich erneut, wie eng Bewertung, Vertrauen und Regulierung inzwischen verknüpft sind.
EURAU – Europas regulierte Antwort auf den globalen Stablecoin-Markt
Im Digitalgeld-Ranking Europas will ein neuer Herausforderer mitmischen: Im Juli 2025 ging mit EURAU der erste vollständig regulierte Euro-Stablecoin an den Start. Hinter dem Token steht AllUnity, ein Joint Venture von DWS, Flow Traders und Galaxy Digital. Technisches Rückgrat ist der verbreitete ERC-20-Standard auf Basis der Ethereum-Blockchain.
Gesichert wird der Euro-Stablecoin durch regulierte Banken, die Kundeneinlagen vollständig in Euro-Reserven halten. Für zusätzliche Sicherheit und Infrastruktur sorgen Partner wie BitGo, Fireblocks sowie Bullish Europe, letztere listet bereits Handelspaare mit BTC/EURAU und USDC/EURAU.
Zielgruppen sind insbesondere Banken, Fintechs und Unternehmen, die grenzüberschreitende Zahlungen im Euroraum effizienter gestalten wollen. Zwischen Dezember 2024 und Juli 2025 legte der europäische Stablecoin-Markt um beeindruckende 60 Prozent zu. Dieses Wachstum könnte sich nun mit EURAU als neuem Treiber fortsetzen.
Vertrauen durch Regulierung: Das europäische Stablecoin-Modell
Rechtsklarheit ist im digitalen Zahlungsraum bislang die Ausnahme. Umso bemerkenswerter wirkt der Ansatz von EURAU: Der Euro-Stablecoin wurde als E-Geld-Token vollständig nach der europäischen MiCAR-Verordnung lizenziert und steht unter Aufsicht der BaFin. Diese Kombination aus Lizenz und Kontrolle schafft ein stabiles Fundament, das insbesondere institutionelle Nutzer anspricht. Zusätzliche Transparenz bringt der sogenannte Proof-of-Reserves, ein öffentlich nachvollziehbarer Nachweis darüber, dass sämtliche Coins durch entsprechende Euro-Reserven gedeckt sind.
Im Gegensatz zu sogenannten Blackbox-Stablecoins außereuropäischer Jurisdiktionen, bei denen solche Informationen Mangelware sind, setzt EURAU auf Offenheit. Ebenfalls erfüllt: alle gängigen Anforderungen zu Geldwäscheprävention, Datenschutz (DSGVO) und laufender Compliance. Das Ergebnis ist eine Infrastruktur, die europaweit digitalem Zahlungsverkehr den regulatorisch sicheren Boden verschafft, ganz ohne Spekulation.
Ein weiterer Pluspunkt bei EURAU ist die Blockchain‑Unabhängigkeit mit Aussicht auf Multi-Chain-Support: Der Token startete als ERC‑20 auf Ethereum, doch bereits für 2025 sind weitere Blockchains (z. B. Solana oder EVM-kompatible Netzwerke) geplant, um Netzwerk- und Transaktionskosten zu senken und Interoperabilität zu steigern Bullish.
Technisch wird die Ausgabe durch permissioned Wallets und klare Governance-Strukturen kontrolliert, was unautorisierte Emissionen verhindert und regulatorischen Anforderungen entspricht Bullish . Dieses Setup stärkt das Vertrauen gerade bei institutionellen Akteuren, denen Sicherheit, Transparenz und regulatorische Integrität wichtiger sind als reine Skalierungsmetriken.
Corporate Adoption als Gamechanger
Einen spannenden Perspektivwechsel eröffnet ein Blick auf die Unternehmensseite. Das Team befindet sich wohl in aktiven Gesprächen mit rund 30 Firmen, die EURAU konkret in ihre Zahlungsabläufe oder Treasury-Systeme integrieren wollen.
Die Zielsetzung dabei reicht weit über reine Krypto-Nutzung hinaus: Automatisierung von Lieferantenzahlungen, Liquiditätsmanagement im Konzern und sogar Machine-to-Machine-Transaktionen im Industrie‑IoT werden als Anwendungsszenarien genannt.
EURAU präsentiert sich als digitale „Super‑IBAN“ – eine programmierbare, sofort verfügbare Euro‑Liquiditätsquelle die buchstäblich in das operative Leben großer Unternehmen hineinwirkt. Unterstützt wird dieses Konzept durch institutionelle Rückendeckung: DWS steuert regulatorische Expertise zur Reservegestaltung bei, während Galaxy durch GK8 sichere Custody-Infrastruktur und Flow Traders als Market Maker vertrauenswürdige Ökosystem-Standards liefert.
EURAU gegen Tether – ungleiche Gegner im globalen Währungsnetz?
Zwischen Marktmacht und Regulierung klafft eine Schere, die sich im Stablecoin-Markt besonders deutlich zeigt. Während Tether mit einem Volumen von 163,7 Milliarden US-Dollar weit an der Spitze liegt, bringt es EURAU bislang gerade einmal auf 480 bis 587 Millionen. Tether bringt ein Jahrzehnt an Marktpräsenz mit, gepaart mit hoher Liquidität und globaler Akzeptanz.
Und das Wachstum geht weiter: Mit seinen Tether-Investitionen in Zukunftsthemen wie KI, Bildungstechnologien oder Rumble steckt das Unternehmen jährlich Milliarden in neue Märkte und sichert sich damit nicht nur Rendite, sondern auch Relevanz.
Der Euro-Stablecoin EURAU setzt dagegen auf ein anderes Fundament. Anstelle reiner Größe punktet das Projekt mit regulatorischer Konformität, vollständiger Kontrolle durch die BaFin sowie geprüften Reserveberichten.
Die transparente Struktur macht EURAU für institutionelle Anleger zunehmend interessant. Denn im Gegensatz zu intransparenten Dollar-Alternativen aus dem Ausland bietet das europäische Modell Vertrauen schwarz auf weiß, mit klaren Regeln, nachvollziehbarer Struktur und einem regulatorischen Rahmen, der die Anforderungen aus Brüssel konsequent erfüllt.
Europas Währungsvision und die Chancen eines digitalen Ökosystems
Europa will mehr als nur mitspielen, es geht um nichts Geringeres als finanzielle Souveränität im digitalen Zeitalter. Mit dem EURAU entsteht ein grenzüberschreitendes Zahlungsökosystem, das der Dollar-basierten Tokenisierung eine eigene, im europäischen Regulierungsrahmen verankerte Alternative entgegenstellt. Damit wird der Euro digital greifbar, reguliert, transparent und verbindlich.

