EU verschiebt Mercosur-Abkommen: Deutsche Industrie zeigt sich enttäuscht

Die Verschiebung des mit Spannung erwarteten EU-Freihandelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sorgt für Unmut in der deutschen Industrie. Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), kritisierte das erneute Aufschieben als Rückschlag für die Glaubwürdigkeit Europas als geostrategische Macht. Ursprünglich sollte das Abkommen an diesem Samstag unterzeichnet werden, doch ein neuer Termin ist nun erst für die erste Januarhälfte in Aussicht gestellt.
Obwohl Bolivien seit 2024 Mitglied von Mercosur ist, ist es kein Vertragspartei des Abkommens. Gönner appellierte eindringlich an die EU-Staats- und Regierungschefs, alles daran zu setzen, dass das Abkommen im Januar finalisiert wird. Selbst Italien, angeführt von Regierungschefin Giorgia Meloni, zeigte sich noch skeptisch gegenüber dem Deal. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) äußerte sich unzufrieden.
Die VDA-Präsidentin Hildegard Müller bezeichnete die Verschiebung als 'schlechte Nachricht' und warnte davor, dass die EU ein Zeichen der Schwäche sende. In Zeiten, in denen eine starke europäische Wirtschaft entscheidend sei, müsse die EU ihre Glaubwürdigkeit wahren und den Zugang zu neuen Märkten sichern. Das Abkommen, das Zölle und Handelsbarrieren zwischen der EU und der Mercosur-Wirtschaftsorganisation abbauen soll, wäre die weltweit größte Freihandelszone mit über 700 Millionen Einwohnern. Dies sollte zudem ein klares Signal gegen die protektionistische Zollpolitik der USA unter Donald Trump setzen. Die Verhandlungen laufen bereits seit 1999, doch verbleibende Hürden müssen erst noch überwunden werden.

