EU bereitet wirtschaftliche Abwehrmaßnahmen gegen Trumps Zolloffensive vor
Die Europäische Kommission arbeitet unter Hochdruck an einem Maßnahmenpaket, um die wirtschaftlichen Folgen möglicher US-Zölle abzufedern. Hintergrund sind Berichte, wonach US-Präsident Donald Trump am Mittwoch neue sogenannte reciprocal tariffs ankündigen will – Vergeltungszölle auf Waren aus Ländern mit aus seiner Sicht unfairen Handelspraktiken. Für die EU stehen Zölle von 10 bis 25 Prozent im Raum, konkrete Details sind bislang nicht veröffentlicht worden.
Brüssel bereitet laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen sowohl kurzfristige Hilfen für besonders betroffene Branchen als auch längerfristige Strukturmaßnahmen vor. Dazu zählen Reforminitiativen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zentraler Sektoren sowie ein gezielter Ausbau des Binnenmarktes. Die finalen Vorschläge der Kommission werden allerdings vom genauen Umfang der US-Maßnahmen abhängen, heißt es aus Verhandlungskreisen.
Trump zielt in seiner Argumentation nicht nur auf Zölle, sondern auch auf nichttarifäre Handelshemmnisse wie nationale Steuerregeln oder Regulierungsvorgaben – darunter die europäische Mehrwertsteuer, Digitalsteuern und Umweltstandards. Die EU weist die Vorwürfe zurück: Die VAT-Systematik sei nicht diskriminierend, sondern gelte für in- und ausländische Anbieter gleichermaßen.
Einzelne Marktreaktionen deuten bereits auf erhöhte Nervosität: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen gab erste Tagesgewinne wieder ab und pendelte sich bei 2,69 % ein. Der Euro kletterte zwischenzeitlich auf ein Tageshoch bei 1,0839 Dollar.
Am stärksten gefährdet ist die deutsche Exportwirtschaft. Mit einem Handelsüberschuss von 92 Milliarden Euro gegenüber den USA ist Deutschland der mit Abstand größte EU-Profiteur des transatlantischen Warenaustauschs. Die Automobilindustrie steht dabei besonders im Fokus – ein Sektor, der ohnehin durch die schwächelnde Nachfrage in China und den Strukturwandel zur Elektromobilität belastet ist.
Die EU reagierte bereits auf frühere US-Zölle auf Stahl, Aluminium und Fahrzeuge mit einem Sanktionspaket im Umfang von 26 Milliarden Euro, das Mitte April in Kraft treten soll. Weitere Gegenmaßnahmen dürften jedoch nicht unmittelbar folgen. Brüssel will zunächst abwarten, wie weit Trump tatsächlich geht. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte aber bereits signalisiert, dass Europa „über zahlreiche Hebel“ verfüge – darunter auch gezielte Zölle auf US-Dienstleister und Technologiekonzerne.
Parallel arbeitet die Kommission an einem sogenannten term sheet zur Vorbereitung bilateraler Verhandlungen mit den USA. Darin sollen potenzielle Zugeständnisse wie die Absenkung europäischer Zölle, Investitionserleichterungen und gegenseitige Anerkennung von Standards verhandelt werden. Die politische Linie bleibt dabei ambivalent: Die EU will gesprächsbereit wirken, aber nicht erpressbar erscheinen.
Ökonomisch steht viel auf dem Spiel. Laut EZB-Chefin Christine Lagarde könnte ein umfassender 25-Prozent-Zoll das Eurozonen-Wachstum im ersten Jahr um 0,3 Prozentpunkte senken. Bloomberg Economics rechnet mittelfristig mit einem möglichen Schaden von bis zu zwei Prozent der Wirtschaftsleistung. Ob die EZB bereits am 17. April auf diese Entwicklung mit einer geldpolitischen Anpassung reagiert, ist offen – der Effekt auf die Inflation gilt als schwer abschätzbar. Mehrere Ratsmitglieder zögern daher, den erwarteten siebten Zinsschritt zu vollziehen.

