Erstmals westlicher Journalist in Syrien getötet

11. Januar 2012, 21:46 Uhr · Quelle: dpa

Kairo/Istanbul/Paris (dpa) - Dem Blutvergießen in Syrien fällt erstmals ein westlicher Journalist zum Opfer. Ein französischer Kriegsberichterstatter stirbt in Homs am Rande einer Demonstration von Anhängern des Regimes. Die Arabische Liga will vorerst keine Beobachter mehr ins Land schicken.

Der Franzose Gilles Jacquier, langjähriger Kriegsberichterstatter des Fernsehsenders France 2, starb nach syrischen Regierungsangaben am Mittwoch durch Granatsplitter. Er gehörte zu einer Gruppe von ausländischen Reportern, die auf Einladung der Regierung an einer Demonstration von Regimeanhängern in der Protesthochburg Homs teilgenommen hatte. Bei dem Granatbeschuss seien auch acht Syrer getötet worden.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy drückte seine Abscheu über die Tat aus. Außenminister Alain Juppé verurteilte die Tat und verlangte eine Aufklärung der Todesumstände. In einer Erklärung forderte er die syrische Führung zudem auf, für die Sicherheit ausländischer Journalisten zu sorgen und die Pressefreiheit zu schützen.

Ein Team des belgischen TV-Senders VRT blieb laut belgischen Medien bei dem Anschlag unversehrt. Ein freiberuflicher Journalist aus den Niederlanden wurde mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, berichteten niederländischer Medien.

Die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, bei den Tätern handele es sich um «bewaffnete Terroristen». Das ist die seit Monaten gängige Bezeichnung des Regimes für die Protestbewegung. Aktivisten aus Homs erklärten dagegen am Abend, die Attacke sei von regimetreuen Truppen ausgegangen. Diese schreckten vor keiner Grausamkeit zurück, um der Weltöffentlichkeit ihre Theorie vom Aufstand «terroristischer Banden» zu verkaufen.

Der getötete Fernsehjournalist arbeitete nach IPI-Angaben seit 1999 für France 2 in Konfliktgebieten wie Afghanistan, dem Irak und im Kosovo. «Sein Tod ist eine tragische Erinnerung an die ständigen Gefahren, denen Journalisten bei der Berichterstattung in Konfliktgebieten ausgesetzt sind», heißt es in einer Erklärung. Das Presseinstitut forderte alle Parteien in Syrien auf, das Recht von Journalisten auf freie und sichere Arbeit zu gewährleisten.

Seit Beginn des Aufstandes gegen das Regime von Assad im März 2011 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 5000 Menschen getötet worden. Syrische Menschenrechtsaktivisten sprechen indessen von mehr als 6000 Toten. Syrien hatte monatelang westlichen Korrespondenten die Berichterstattung verweigert. Wegen der fortwährenden Kritik lockerte das Regime in den vergangenen Wochen die Medienblockade. Allerdings dürfen westliche Journalisten nicht frei durch Syrien reisen.

Die Arabische Liga kündigte am Mittwochabend an, vorerst keine Beobachter mehr nach Syrien zu schicken. Zuvor hatte sich der Algerier Anwar Malik unter Protest aus dem Einsatz zurückgezogen. Er sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, die Beobachter gäben Assad die Gelegenheit, noch mehr Menschen zu töten. Es würden auch Kinder getötet. Die Demonstrationen seien friedlich.

Assad tauchte am Mittwoch kurz und unangekündigt auf einer Kundgebung von Anhängern in Damaskus auf. Den Tausenden von Demonstranten rief er auf dem Ummayaden-Platz in Damaskus zu, der Sieg der Syrer über die ausländischen «Verschwörer» stehe bald bevor. Er sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana: «Ich will mit euch sein, denn ich bin ein Sohn dieser Straße, und wer zu den Menschen auf der Straße sprechen will, der muss bei ihnen sein.»

Die Bundesregierung machte sich am Mittwoch erneut dafür stark, dass der UN-Sicherheitsrat eine Resolution zu Syrien verabschiedet. Bedauerlicherweise habe Assad kein Einlenken erkennen lassen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. «Es braucht jetzt vor allem ein klares und sehr einiges Vorgehen im UN-Sicherheitsrat.» Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: «Das war eine sehr enttäuschende Rede, und es war eine Rede der verpassten Chancen.»

Assad hatte am Dienstag erklärt, er wolle weiter mit harter Hand gegen die «Terroristen» vorgehen. Er denke nicht an Rücktritt. Der Aufstand gegen sein Regime sei eine Verschwörung ausländischer Mächte.

Derweil ignorieren Russland und der Iran ein Waffenembargo des Westens und liefern weiter Militärmaterial an das syrische Regime. Vor der Küste Zyperns wurde ein Schiff gestoppt, das 60 Tonnen Munition aus Russland nach Syrien bringen sollte. Die Türkei hielt an der Grenze zu Syrien verdächtige Lastwagen aus dem Iran auf, die nach Berichten lokaler Medien mit Waffen beladen waren. Russland ist neben dem Iran der wichtigste Verbündete des Assad-Regimes

Konflikte / Syrien
11.01.2012 · 21:46 Uhr
[0 Kommentare]
Katherina Reiche (Archiv)
Berlin - Die Grünen erhöhen vor der Sitzung des Bundestags-Wirtschaftsausschusses am heutigen Mittwoch den Druck auf Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Das berichtet die "Rheinische Post" (Donnerstagsausgabe). Die Ministerin hatte im vergangenen Jahr in Tirol an einer hochkarätigen Konferenz teilgenommen. Ihre Teilnahme an dem Treffen mit internationalen Lobbyvertretern war nur […] (00)
vor 20 Minuten
Helen Mirren
(BANG) - Helen Mirren zeigt sich besorgt über die Auswirkungen von Social Media. Die 80-jährige Schauspielerin ist der Meinung, dass die Plattformen ihre Nutzer unter Druck setzen, unrealistischen Schönheitsidealen zu entsprechen. Im Gespräch mit 'Elle' erklärte sie: "Wenn Frauen oder Männer ernsthaft klein gemacht, entmutigt oder deprimiert sind, wenn sie in den Spiegel schauen und von dem, was […] (00)
vor 1 Stunde
Digitale Zwischenräume neu denken: Warum Digital Signage Software mehr ist als nur Bildschirme Zwischen Aufzug und Kaffeeküche, zwischen Werkstor und Wartebereich, zwischen Montagmorgen und Feierabend existieren Orte, die wir täglich durchqueren, ohne ihnen Beachtung zu schenken. Genau hier entfaltet sich die stille Kraft moderner Kommunikation. Digital Signage Software ist heute nicht mehr bloß […] (00)
vor 1 Minute
REANIMAL-Demo versüßt Wartezeit zum Release
Der Countdown läuft! Mit nur noch 30 Tagen bis zum Launch startet REANIMAL mit voller Geschwindigkeit in den Endspurt: Das Spiel hat inzwischen über 1 Million Demo-Downloads erreicht und wird bereits jetzt als eines der meist erwarteten Spiele des Jahres 2026 gefeiert. Heute heißen THQ Nordic und Tarsier Studios eine ganz neue Spielerschaft willkommen – mit der Veröffentlichung der REANIMAL-Demo […] (00)
vor 2 Stunden
Gegen das Vergessen: ARTE-Thementage zur Auschwitz-Befreiung
Viele Dokus, aber auch Spielfilme laufen im Umfeld des Holocaust-Gedenktages am 26. und 27. Januar. ARTE gedenkt der Holocaust-Opfer mit einem Programmschwerpunkt: Neben dem oscarprämierten Drama Son of Saul arbeiten gleich mehrere Dokumentationen den NS-Terror auf. Weltkarriere einer Lüge widmet sich dem Ursprung antisemitischer Verschwörungstheorien. Der Doku-Zweiteiler Die Überlebenden zeichnet nach, wie schwer sich der Neuanfang für die […] (00)
vor 1 Stunde
Jude Bellingham und Xabi Alonso
Madrid (dpa) - Superstar Jude Bellingham hat nach dem Aus von Trainer Xabi Alonso bei Real Madrid mit heftigen Worten Medien attackiert. «Bis jetzt habe ich zu viel davon durchgehen lassen, immer in der Hoffnung, dass die Wahrheit zu ihrer Zeit ans Licht kommt. Aber ehrlich gesagt... was für ein Haufen Scheiße», schrieb der frühere Profi von Borussia Dortmund in seiner App «JB5». «Ich habe […] (00)
vor 1 Stunde
Schokolade als Luxusgut: Warum Lindt selbst mit drastischen Preiserhöhungen weiter wächst
Preissetzungsmacht ersetzt Volumen Lindt steigerte seinen Umsatz 2025 um 12,4 Prozent auf 5,92 Milliarden Franken, obwohl die verkauften Mengen zurückgingen. Der Schlüssel lag in einer durchschnittlichen Preiserhöhung von rund 19 Prozent. Damit gelang es dem Konzern, die massiv gestiegenen Kakaokosten nicht nur zu kompensieren, sondern den Wert je verkauftem Produkt deutlich zu erhöhen. Während […] (00)
vor 27 Minuten
Dachser auf der LogiMAT 2026
Kempten, 14.01.2026 (PresseBox) -   Halle 7 / Stand C02 Auch in diesem Jahr präsentiert sich der Logistikdienstleister Dachser auf der LogiMAT, die vom 24. bis 26. März 2026 in Stuttgart stattfindet. Im Fokus des Messeauftritts an Stand C02 in Halle 7 steht, wie neue Technologien und die Kompetenz erfahrener Logistiker ineinandergreifen müssen, um Supply Chains auch unter herausfordernden […] (00)
vor 1 Stunde
 
US-Präsident Trump
Detroit (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat den schmählichen Zwischenruf eines Werkarbeiters […] (04)
Proteste im Iran
Teheran/Detroit (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat die Staatsführung der Islamischen […] (01)
winter, tree, frost, snow, cold, winter landscape, nature, landscape, winter magic, winter, winter, winter, winter, winter, snow, snow, snow, snow, winter landscape, nature, nature, landscape
Heutige Wetterlage Am Mittwoch, den 14. Januar 2026 ist es in weiten Teilen Deutschlands […] (00)
Tiefgekühltes Fertigessen (Archiv)
Wiesbaden - In Deutschland werden immer mehr Fertiggerichte produziert. 1,7 Millionen Tonnen […] (03)
2026 steht im Zeichen der Rückkehr eines oft unterschätzten Accessoires: des Gürtels. Die […] (01)
Überraschung: Thilo Mischke demnächst im ZDF
Er ist in einer Doku zum Holocaust-Gedenktag zu sehen - darüber hinaus zeigt auch ZDFinfo zu diesem Anlass […] (00)
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro, business, ipad, logo, options, derivatives, futures, digital, electronic, corporate, office, monitor, work, crypto, crypto, crypto, crypto, crypto, vpn, vpn, vpn
Der ehemalige Bürgermeister von New York City, Eric Adams, sieht sich nach dem Absturz seiner […] (00)
Apple Intelligence: Google Gemini treibt neue Siri-Funktionen an
Apple und Google arbeiten künftig noch enger zusammen. Wie der iPhone-Konzern […] (00)
 
 
Suchbegriff