Erneute Zollandrohungen belasten deutschen Aktienmarkt stark
Der deutsche Aktienmarkt steht weiterhin unter Druck, nachdem am Wochenende erneut Zollsorgen aufkamen. Der Dax, der bereits zum Wochenbeginn die Marke von 25.000 Punkten unterschritten hatte, setzte seinen Abwärtstrend fort und fiel erstmals seit Anfang Dezember unter die wichtige 21-Tage-Durchschnittslinie. Bis zum Dienstagmittag sank der Index um 1,5 Prozent auf 24.585 Punkte, nachdem in der Vorwoche ein Rekordhoch von 25.507 Punkten erzielt wurde.
Auch der MDax für mittelgroße Unternehmen erlitt einen Rückschlag und verlor rund 2 Prozent auf 30.750 Punkte, während der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, um 1,2 Prozent fiel. Beide Indizes hatten ebenfalls in der vergangenen Woche neue Höchststände erreicht.
Auslöser für die Besorgnis der Anleger war eine Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, der im Zuge des Grönland-Konflikts ab Februar Strafzölle verhängen und im Juni weiter erhöhen will, falls es kein Abkommen über den Kauf Grönlands gibt. Betroffen sind acht europäische NATO-Länder, darunter auch Deutschland.
Da in den USA zu Wochenbeginn ein Feiertag war, konnten die Anleger dort noch nicht auf die Zolldrohungen reagieren. Die Indikationen des Brokers IG lassen jedoch auf einen mehr als einprozentigen Rückgang des S&P 500 im Vergleich zum letzten Freitag schließen.
Die neue Zollunsicherheit belastet die Hoffnung auf Gewinnsteigerungen europäischer Unternehmen, wie Beata Manthey von Citigroup erklärte. Sie reduzierte ihre Einschätzung für europäische Aktien auf neutral und äußerte sich besonders skeptisch bezüglich der Auto- und Chemiebranche.
Marina Zavolock von Morgan Stanley sieht hingegen auch Chancen in der aktuellen Situation. Trotz der Herausforderungen könnten Europa und seine Reformbestrebungen gestärkt werden.
Am Markt litten vor allem Autowerte und Technologietitel. Autokonzerne wie BMW, Mercedes und VW hielten sich allerdings über ihren Tiefstständen vom Vortag. Siemens Energy verzeichnete Gewinnmitnahmen, nachdem die Aktie jüngst neue Rekordhöhen erreicht hatte.
Probleme meldeten auch Aktien von FMC und Carl Zeiss Meditec, deren Ratings von Goldman Sachs gesenkt wurden. Bei Hypoport fielen die Papiere stark, nachdem die Nachfrage nach Immobilienkrediten im vierten Quartal leicht nachließ. Erfreuliches meldete hingegen die Salzgitter-Aktie, die ein neues Hoch seit 2018 erreichte, begünstigt durch eine optimistischere Meinung von Oddo BHF.

