Epic Games CEO Tim Sweeney schießt erneut gegen Steam und nennt 30 Prozent Gebühr einen „Junk Fee“
Epic Games‘ CEO Tim Sweeney hat seine Dauerfehde mit Valve eskaliert, indem er Steams 30-Prozent-Provision als „Junk Fee“ brandmarkt – ein Begriff, der normalerweise versteckte Bankgebühren oder unseriöse Zusatzkosten beschreibt. Die jüngsten Äußerungen erfolgen im Kontext einer britischen Sammelklage gegen Valve, die behauptet, UK-Spieler hätten durch Steams Praktiken über 897 Millionen Dollar (656 Millionen Pfund) zu viel bezahlt. Sweeney vergleicht Valves Geschäftsmodell mit einem „Autohändler, der 30 Prozent aller zukünftigen Tankstellenkäufe verlangt, nachdem man ein Auto gekauft hat“ – ein plakativer Vergleich, der allerdings bei vielen Spielern auf taube Ohren stößt. Nachdem Epic erfolgreich Apple und Google mit Kartellrechts-Klagen in die Knie gezwungen hat, scheint die Schlacht um die Herzen und Köpfe der PC-Gaming-Community die einzige Front zu sein, an der Sweeney nicht punkten kann. Steam bleibt mit überwältigendem Vorsprung die dominante PC-Plattform.
Kartellrechts-Argumente und Community Notes als Gegenwind
Sweeney reagierte auf X-Nutzer, die Steams Marktdominanz verteidigten, mit der Behauptung: „Steams Regeln verbieten explizit, dass Spiele Spieler zu konkurrierenden Kaufmethoden lenken, was jeden zwingt, 30 Prozent an Valve zu zahlen. Apple und Google machten dasselbe, bis Gerichte diese Praxis ausdrücklich für rechtswidrig erklärten. Jetzt tun sie es nicht mehr!“ Seine Aussage kassierte prompt eine Community Note, die klarstellte, dass die erwähnte Regel primär die Verteilung von Steam-Keys auf anderen Plattformen betrifft und Rabattparität innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens sicherstellt. Allerdings ist es auch Fakt, dass Steams Dokumentation zu Mikrotransaktionen vorschreibt, dass alle In-Game-Käufe – selbst wenn sie auf externe Websites weiterleiten – über das Steam Wallet abgewickelt werden müssen, was Valve seinen 30-Prozent-Schnitt sichert. Es gibt Ausnahmen wie Warframe, wo Ingame-Währung über externe Websites gekauft werden kann, doch für die Mehrheit der Spiele bleibt das Steam Wallet obligatorisch.
Epic als Entwickler-Champion, aber Spieler bleiben skeptisch
Epic Games hat sich einen Ruf als Entwickler- und Publisher-freundliche Plattform erarbeitet. Der Epic Games Store nimmt lediglich 12 Prozent Provision – weniger als die Hälfte von Steams Standard-Rate, die allerdings nach 10 Millionen Dollar Umsatz auf 25 Prozent und nach 50 Millionen auf 20 Prozent sinkt. Sweeneys Argument lautet, dass Epic „massiv in Spieler reinvestiert“ und Einnahmen „für Entwickler arbeiten lässt, auf eine Weise wie es diese Yachten und Diamant-Zähne nicht tun“ – eine klare Anspielung auf Gabe Newell. Seine Anti-Monopol-Erfolge gegen Google und Apple – die beide nun alternative Zahlungssysteme in ihren App-Stores zulassen müssen – verleihen seinen Worten Gewicht. Doch die PC-Gaming-Community scheint unbeeindruckt. X-Posts, die Steam verteidigen, kassieren regelmäßig mehr Likes als Sweeneys Kritik. „30 Prozent Junk Fee ist eine wilde Behauptung“, schrieb ein Nutzer mit über 1.300 Likes. „Steam liefert einen Service für Spieler und Entwickler. Der Autohändler liefert weder das Benzin noch die Infrastruktur drumherum. Gamer bleiben glücklich bei Steam, weil es eine gute, spielerfreundliche Plattform ist. Der Epic Games Store ist im Vergleich ein fehlerbehaftetes Durcheinander ohne Features.“
Die 900 Millionen Dollar Klage und Payment-Tie-Praktiken
Die britische Sammelklage, die Sweeney unterstützt, wirft Valve vor, seine Marktdominanz zu missbrauchen und britische Konsumenten zu überhöhten Preisen zu zwingen. Die Kläger argumentieren, dass Steams 30-Prozent-Provision direkt auf Spieler umgelegt wird, da Publisher diese Kosten in ihre Preisgestaltung einkalkulieren müssen. Sweeney betont, dass auf iOS und Android Entwickler mittlerweile frei sind, Nutzer zu alternativen Kaufmethoden zu lenken, bei denen Apple und Google null Prozent kassieren. „Auf Computern und Smartphones ist Valve der einzige große Store, der noch an der Payment-Bindung und dem 30-Prozent-Junk Fee festhält“, so Sweeney. Seine Argumente könnten als gutgemeinte Versuche gesehen werden, mehr Wettbewerb und bessere Deals für Entwickler zu schaffen – doch man sollte nicht vergessen, dass Steam Epics größter Konkurrent ist und Sweeney ein direktes finanzielles Interesse an dessen Schwächung hat.
Die unbequeme Wahrheit: Der Epic Games Store muss besser werden
Das zentrale Problem für Sweeney ist simpel: Spieler wechseln nicht zum Epic Games Store, weil dieser fundamental schlechter ist. Features wie User-Reviews, Community-Hubs, Workshop-Unterstützung, robuste Controller-Konfiguration, Family-Sharing, Steam Input und unzählige Quality-of-Life-Tools fehlen oder sind unterentwickelt. Während Epic wöchentliche Gratis-Spiele verschenkt und exklusive Deals sichert, bleibt die Plattform ein karges Einkaufsportal statt einer lebendigen Community. Sweeneys Kritik ignoriert diese grundlegende Realität: Wenn Epic ernsthaft Steam herausfordern will, muss der Epic Games Store schlicht zu einem besseren Produkt werden. Die Publisher-Vorteile niedrigerer Provisionen sind real – die britische Klage könnte, falls erfolgreich, sogar niedrigere Spielepreise erzwingen. Doch solange der durchschnittliche PC-Gamer Steam als überlegene Plattform empfindet, werden Sweeneys Tiraden weiterhin ins Leere laufen. Die Ironie: Epic hat Milliarden in exklusive Deals, Gratis-Spiele und Fortnite-Infrastruktur investiert, aber offenbar nicht genug in die Grundlagen eines konkurrenzfähigen Storefronts.


