Enthüllung hinter den Kulissen: Die ungeschminkte Darstellung Netanyahus in "The Bibi Files"
"Einblicke in die Abgründe der Macht", so könnte man den neuesten Film von Alex Gibney titulieren, in dem nie zuvor gesehene Aufnahmen von Benjamin Netanyahus polizeilichem Verhör auftauchen. Der preisgekrönte Dokumentarfilmer, bekannt für seine unerschrockene Auseinandersetzung mit heiklen Themen, hat in Zusammenarbeit mit Alexis Bloom einen Film über die Korruptionsvorwürfe gegen den israelischen Premierminister erschaffen. Die Rückendeckung von Bloom war nötig, um den anspruchsvollen Zeitplan zu bewältigen und gleichzeitig die brisante Geschichte zu realisieren.
Gibney wurde Anfang 2023 von einer Quelle kontaktiert, die ihm Materialien aus Netanyahus polizeilichem Verhör der Jahre 2016 bis 2018 anbot. Diese Aufnahmen sind in Zusammenhang mit Netanyahus Anklage wegen Bestechung, Betrug und Vertrauensbruch aus dem Jahr 2019 zu sehen. Im Film werden unter anderem Interviews mit dem Hollywood-Produzenten Arnon Milchan und dem verstorbenen Casinobesitzer Sheldon Adelson gezeigt.
Der Film beleuchtet drei Fälle: Zum einen werden Netanyahu und seine Frau beschuldigt, Geschenke von Milchan und dem australischen Milliardär James Packer im Gegenzug für politische Gefälligkeiten angenommen zu haben. Ein weiterer Vorwurf betrifft einen Deal, bei dem Netanyahu dem israelischen Magnaten Arnon Mozes positive Berichterstattung im Gegenzug für gesetzliche Einschränkungen eines Rivalen versprach. Zudem wird Netanyahu vorgeworfen, dem Telekommunikationsunternehmen Bezeq Vorteile eingeräumt zu haben, um positive Berichterstattung bei Walla zu gewährleisten.
Trotz rechtlicher Hürden, die die Veröffentlichung der Aufnahmen in Israel verhindern, gelang es Gibney, den Film schlussendlich durch zahlreiche juristische und finanzielle Herausforderungen hindurch zu realisieren. Die Vorführung als unfertiges Werk beim Toronto International Film Festival lockte nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch die nötige Finanzierung, um das Projekt fertigzustellen.
Netanyahu, dessen Popularität trotz seiner rechtspolitischen Regierung in Israel zunimmt, setzt auf die Unterstützung strittiger Figuren wie Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, um seinen Machtanspruch zu festigen. Gibneys Dokumentarfilm zeichnet eine klare Verbindung zwischen den Korruptionsvorwürfen und den Konflikten im Nahen Osten.
Mit Unterstützung des israelischen Journalisten Raviv Drucker bietet der Film eine einzigartige Perspektive, die einem internationalen Publikum häufig verwehrt bleibt. Gibney hofft, dass der Film Israelis einen ungefilterten Blick auf ihren Premierminister ermöglicht und möglicherweise zu einer Neubewertung seiner Machenschaften führt.

