Enorme Herausforderungen für Israels Image nach Video-Enthüllung
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ziert sich nicht vor großen Worten: Mit der Veröffentlichung eines belastenden Videos aus dem berüchtigten Gefängnis Sde Teiman sieht er Israels Ansehen auf internationaler Bühne in einer kritischen Lage. Das besagte Video zeigt angeblich die Misshandlung eines palästinensischen Gefangenen, was zu heftigen Diskussionen führte.
Im Zuge dieser Affäre hat die oberste Militäranwältin Israels, Jifat Tomer-Jeruschalmi, überraschend ihren Rücktritt erklärt. Berichten zufolge übernahm sie in ihrem Rücktrittsschreiben Verantwortung für die Veröffentlichung des Videos, in dem Bestreben, der vermeintlichen Propaganda gegen die Militärjustiz entgegenzuwirken.
Die Aufnahmen betreffen die Misshandlung eines Hamas-Kämpfers, was zur Anklage von fünf Reservisten führte. Laut Medien musste das Opfer aufgrund seiner Verletzungen ins Krankenhaus. Die entscheidenden Bilder der Überwachungskamera sind jedoch unklar, da die Soldaten sie mit Schutzschilden teilweise blockieren. Die Vorwürfe eines sexuellen Missbrauchs wurden von den Anwälten der Angeklagten vehement bestritten.
Amnesty International erhebt schwere Anschuldigungen gegen Israel, insbesondere die Behauptung, dass palästinensische Gefangene aus dem Gazastreifen in Sde Teiman misshandelt und gefoltert werden. Auch die israelische Polizei ermittelt, ob Mitarbeiter der Militärstaatsanwaltschaft in die Veröffentlichung involviert waren. Netanjahu fordert derweil eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe.
Mehrere der Angeklagten äußerten sich mit verhüllten Gesichtern und in dunkler Kleidung vor den Medien und fühlten sich durch die Videoveröffentlichung voreilig verurteilt. Ein Verteidiger forderte die Aufhebung der Anklagen, da der Prozess durch diese Umstände als 'verschmutzt' angesehen werde.
Ein Kommentator der liberalen Zeitung 'Haaretz' vermutet, dass Netanjahus Umfeld die Affäre nutzen könnte, um das Justizsystem vor den anstehenden Parlamentswahlen zu schwächen und politischen Druck im Korruptionsprozess gegen Netanjahu selbst auszuüben.

