Einigung bei elektronischer Patientenakte: Ab 2021 leichtere Übersicht
- Gesundheitsminister Spahn will das Gesundheitswesen stärker digitalisieren, unter anderem durch die elektronische Patientenakte.
- Kassenpatienten sollen künftig alle ihre medizinischen Daten digital am Handy abrufen können.
- Nachdem es lange Widerstand gegen das Konzept gab, einigten sich Kassen, Ärzte und das Gesundheitsministerium nun auf eine gemeinsame Umsetzung.
Informationen über verschiedene Behandlungen und Erkrankungen digital einsehen, ist in einigen europäischen Ländern längst Alltag. Damit dies auch hierzulande schon bald keine Zukunftsmusik mehr ist, setzt sich Gesundheitsminister Jens Spahn massiv für eine stärkere Digitalisierung im Gesundheitswesen ein. Künftig soll es eine elektronische Patientenakte geben, in der alle medizinischen Daten auf einen Blick zusammengefasst sind. Diese Akte können Patienten dann jederzeit überprüfen, beispielsweise über eine App auf ihrem Handy oder Tablet.
Bis 2021 soll dies für alle gesetzlich Versicherten möglich sein. Wie das Handelsblatt berichtet, haben sich Vertreter der Krankenkassen und Ärzte in Absprache mit dem Gesundheitsministerium auf ein gemeinsames Konzept geeinigt und eine Absichtserklärung unterzeichnet. Bisher gibt es in diesem Bereich einige Alleingänge.
Elektronische Patientenakte: Gemeinsames Grundgerüst mit einigen Extras
SPD und Union haben im Koalitionsvertrag die Einführung einer elektronischen Patientenakte festgeschrieben. Diese soll Patienten den Zugang zu ihren Gesundheitsdaten erleichtern, beispielsweise zu früheren Erkrankungen, Blutwerten oder Röntgenbildern. Nach einem Vorschlag des Gesundheitsministers ist der Zugriff auf die Daten über ein PIN- und TAN-Verfahren ähnlich wie beim Onlinebanking möglich. Bereits im Juli 2018 hatte Spahn dafür den Entwurf zum Versichertenentlastungsgesetz auf den Weg gebracht.
Nun hat der CDU-Politiker gemeinsam mit Krankenkassen und Ärzten ein Konzept für die Umsetzung festgelegt. Damit bleibt es erlaubt, Patientendaten elektronisch zu übermitteln - jedoch nur, wenn der Patient zustimmt. Die Einigung sieht zudem vor, dass Versicherte weiterhin selbst entscheiden, wer auf ihre Informationen zugreifen darf. Das einheitliche Grundgerüst für die Patientenakte soll die gematik Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH entwickeln. Neben der Übersicht über medizinische Daten soll die Akte auch dafür nutzbar sein, eigene Informationen zu Bonus- oder Fitnessprogrammen zu hinterlegen.
Einige Kassen sind Vorreiter bei elektronischer Patientenakte
Während sich viele Ärzte bisher um die Datensicherheit von Kassenpatienten sorgten und sich gegen eine elektronische Akte sträubten, haben einige Krankenkassen die Entwicklung eigener Programme zügig vorangetrieben. So bietet unter anderem Die Techniker ihren Versicherten bereits eine elektronische Patientenakte an.
Andere Kassen wie die DAK-Gesundheit sowie die ikk classic unterstützen die App Vivy. Diese fungiert ebenfalls als elektronische Patientenakte und bietet Zusatzfunktionen wie Hilfe bei der Arztsuche und die Erinnerung an eine Medikamenteneinnahme. Das Konzept findet auch in der privaten Krankenversicherung Anklang, beispielsweise bei der Allianz, der Barmenia und bald auch bei der Gothaer.
Tipp: Für gesetzlich Versicherte, die nicht bis 2021 auf die elektronische Patientenakte warten möchten, empfiehlt sich ein Wechsel zu einer Krankenkasse, die diese bereits jetzt anbietet. Durch die Wahl einer neuen Kasse sparen Interessierte mitunter sogar bares Geld. Mit einem Krankenkassenvergleich finden Kassenpatienten schnell das passende Angebot.

