Weltwirtschaftsforum

Ein Treffen der Weltelite - und der große Abwesende

20. Januar 2025, 12:22 Uhr · Quelle: dpa
Auf der Tagesordnung des Weltwirtschaftsforums stehen KI, Klimawandel und Kriege. Einer wird dem Treffen seinen Stempel aufdrücken, ohne selbst vor Ort zu sein. Was man über das Forum wissen sollte.

Davos (dpa) - Im Schweizer Wintersportort Davos trifft sich in dieser Woche die politisch-ökonomische Weltelite: Staats- und Regierungschefs, CEOs großer Unternehmen, mächtige Nichtregierungsorganisationen. Sie alle folgen dem Ruf des Weltwirtschaftsforums, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine bessere Welt zu schaffen. 

Doch die geopolitischen Rahmenbedingungen des Treffens sind schwierig wie lange nicht: Russlands Krieg in der Ukraine, die wackelige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen, die deutsche Wirtschaftsflaute und die ersten Amtstage des dann frisch vereidigten US-Präsidenten Donald Trump - sie alle werden das Davoser Spitzentreffen prägen. Und auch die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus.

Was ist das Weltwirtschaftsforum?

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) ist eine Stiftung, die 1971 vom deutschen Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab gegründet wurde. Sie finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und öffentliche Zuschüsse. Der Anspruch ist riesig: Das WEF will nach eigenen Angaben «den Zustand der Welt verbessern». Zentrale Veranstaltung ist das am Dienstag beginnende Jahrestreffen in Davos, abgeschieden in den Schweizer Alpen.

Was passiert in Davos?

Eigentlich sollen sich die Mitglieder des Weltwirtschaftsforums, überwiegend große Firmen, hier Gedanken über ihren Beitrag zur Lösung weltweiter Krisen machen, auch beim Klima und mit Blick auf soziale Ungleichheit. Doch WEF-Präsident Borge Brende räumte im Interview einer Schweizer Zeitung ein, dass es häufig auf ums Geschäft geht. Seit Jahren nutzen außerdem Politiker aus aller Welt das Forum für Gespräche in informellem Rahmen. «Hier treffen sich Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft, um gemeinsam besser zu verstehen, was in diesem Jahr auf die Welt zukommt», sagte Brende. Immer wieder gab es auch weltpolitisch bedeutende Durchbrüche, etwa in Bezug auf das Ende der Apartheid in Südafrika. 

Was ist in diesem Jahr wichtig?

Das Motto lautet «Zusammenarbeit für das intelligente Zeitalter», auf dem offiziellen Programm stehen Cyberkriminalität, künstliche Intelligenz und technologische Veränderungen. Doch eigentlich könnte man das WEF auch mit einem Namen überschreiben: Donald Trump. Wenig wird das Treffen in diesem Jahr so sehr prägen wie das Comeback des US-Präsidenten und seine mit Spannung erwarteten ersten Entscheidungen. Besonders die angedrohten Importzölle gegen China und andere wichtige Handelspartner lassen Ökonomen um das weltweite Wirtschaftswachstum bangen. 

Provoziert hat Trump zuletzt auch mit der Forderung, die übrigen Nato-Staaten müssten deutlich mehr Geld für Rüstung aufbringen - was höhere Staatsschulden verursachen und Zinsen in die Höhe treiben könnte. Die Angst: In vielen Staaten könnte die Inflation wieder angefacht werden. 

Kommt Trump selbst zum WEF?

Der wiedergewählte US-Präsident ist eher ein Mann des Deals als der fein ausgehandelten Diplomatie - deshalb ist er durchaus ein Fan des Weltwirtschaftsforums. In seiner ersten Amtszeit (2017-2021) war Trump als erster amtierender US-Präsident beim Forum persönlich dabei. Am Donnerstag redet derder 78-Jährige wieder in Davos - doch er wird lediglich digital zugeschaltet. Das Forum liegt zu knapp an seiner Inauguration, nach der er direkt erste politische Entscheidungen in die Wege leiten will. Ob Trump-Berater Elon Musk nach Davos kommt, ist noch offen. 

Wer spricht noch?

Laut WEF reisen rund 900 CEOs und 60 Staats- und Regierungschefs an. Eine weitere Schlüsselrolle soll wie in den vergangenen Jahren der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekommen. Er ist schon am Dienstag dran - genau wie Bundeskanzler Olaf Scholz. Der SPD-Politiker ist nicht der einzige deutsche Kanzlerkandidat mit Redeslot: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) steht am Mittwoch im Programm, Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz - angekündigt als deutscher Oppositionsführer im Bundestag - am Dienstagabend.

Das WEF bringt außerdem mächtige Interessenvertreter aus dem Nahen Osten zusammen: Angekündigt hat sich der israelische Staatspräsident Izchak Herzog. Ursprünglich war auch eine Rede des palästinensischen Ministerpräsidenten Mohammed Mustafa geplant, die aber am Montag ohne Angabe von Gründen aus dem Programm genommen wurde. Aus Syrien wird der Außenminister der Übergangsregierung erwartet, ebenso der saudische Außenminister und der Vizepräsident des Iran. Aus Brüssel nimmt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an dem Treffen teil. 

Welche Bedeutung hat das Forum?

In den vergangenen Jahren schien das WEF mehr und mehr an Bedeutung zu verlieren, der Fokus rückte stärker auf die Münchner Sicherheitskonferenz. In Davos dagegen fehlten zuletzt die ganz großen Namen wie US-Präsident Joe Biden. 2023 reiste Scholz als einziger Staats- oder Regierungschef eines G7-Staates an, 2024 kam er nicht. Doch mit Trumps zweiter Regierungszeit scheint das WEF nun wieder in den Fokus auch der politischen Elite zu rücken. 

Welche Kritik gibt es?

Das Treffen wird als zu elitär kritisiert, da viele der wirklich wichtigen Meetings hinter verschlossenen Türen stattfinden. Dass das WEF von außen kaum zu durchschauen ist, öffnet auch Türen für Verschwörungstheorien. Die oft als «globale Elite» bezeichneten Teilnehmer sind dabei Feindbild Nummer eins, es wird Angst geschürt vor angeblich geheimen Zirkeln, die eine neue Weltordnung nach ihrem Gusto anstreben. 

Viele Mythen kommen durch ein Buch zustande, das WEF-Gründer Schwab im Jahr 2020 veröffentlichte. Verschwörungstheoretiker wittern schon im Titel dunkle Absichten: «The great reset» - der große Umbruch. Der ganze Titel lautet allerdings: «Covid-19 - der große Umbruch». Inhalte aus dem Buch werden aber oft verzerrt: Aus einem Appell, Fahrzeuge öfter mal zu teilen, bekannt als «Sharing Economy», wurde zum Beispiel die Lüge, das WEF wolle Privatautos verbieten.

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20.01.2025 · 12:22 Uhr
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