Innovative Mobilfunk-Funktion

Echoortung: Vodafone testet Fledermaus-Fähigkeiten im Netz

03. März 2026, 05:00 Uhr · Quelle: dpa
Vodafone-Messestand beim MWC
Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Der Vodafone-Messestand beim MWC in Barcelona.
Das Handynetz als Radarsystem, um Menschen und Dinge zu erkennen: Was nach einer abstrusen Idee klingt, dürfte in einigen Jahren Wirklichkeit werden. Vodafone berichtet schon jetzt Vielversprechendes.

Barcelona (dpa) - Eine Radarfunktion im Handynetz, die an die Echoortung von Fledermäusen erinnert, rückt etwas näher. Der Telekommunikationsanbieter Vodafone teilte bei der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress (MWC) in Barcelona mit, gemeinsam mit dem amerikanischen Netztechnik-Unternehmen Tiami erfolgreich Tests in einer speziellen Technologie durchgeführt zu haben.

Diese Technologie heißt «Integrated Sensing and Communication» (ISAC), mit ihr erfassen Mobilfunkantennen Menschen oder Sachen mittels Echoortung. So könnte künftig etwa ein Roboter im Krankenhaus ein Krankenbett schieben und über das Handynetz ein Hindernis erkennen.

Denkbar ist auch, dass ISAC in ein Leit- und Warnsystem eingebunden wird, etwa wenn Menschenmassen nach einem Fußballspiel auf einen Bahnsteig strömen und ein Teil von ihnen besser umgeleitet werden soll zu einem anderen Bahnsteig oder zur Busstation. Solche Aufgaben könnten zwar auch Sensoren oder Kameras meistern - über das Handynetz wäre es aber womöglich einfacher, günstiger und besser. Das heutige Mobilfunknetz werde in einen hochpräzisen smarten Sensor verwandelt, heißt es von Vodafone.

«Smartphones könnten Nutzer vor überfüllten Räumlichkeiten warnen oder versteckte Wasserlecks in Gebäuden erkennen», sagt der Innovationschef von Vodafone Deutschland, Michael Reinartz. «Einkaufszentren könnten Besucherströme datenschutzfreundlich ohne Kameras messen, Flughäfen und Industrieanlagen Eindringlinge oder Drohnen detektieren.» Auch in der Landwirtschaft, Robotik, Lebensmittelkontrolle oder bei Anwendungen der erweiterten Realität (Augmented Reality, AR) ergäben sich neue Einsatzfelder – «bis hin zur Ortung verlegter Hausschlüssel».

Großes Thema in Mobilfunk-Branche

Vodafone ist nicht der einzige Handynetz-Betreiber, der an einem sinnvollen Einsatz der Radarfunktion arbeitet. Letztlich arbeitet die ganze Mobilfunk-Branche daran, die Funktion perspektivisch ins Netz zu integrieren - und zwar mit dem Mobilfunkstandard 6G. Der wird derzeit noch entwickelt, sein Marktstart wird im Jahr 2030 erwartet. 6G wird besonders für die Industrie wichtig, es soll eine noch bessere Latenz und Bandbreite als der aktuell genutzte Funkstandard 5G haben.

Die Tests im 5G-Netz von Vodafone zeigen nun, dass die Echoortungsfunktion schon im jetzigen Netzstandard funktionieren kann. Es zeigt sich, dass die Technik weiter ist als gedacht. Eine kommerzielle Nutzung in 5G wird es aber wohl trotzdem nicht geben, weil noch weitere Tests erforderlich sind und weil die Einspeisung dieser Funktion in den 5G-Standard Zeit bräuchte. Auch Vodafone dürfte darauf warten, dass 6G an den Start kommt und dann quasi Fledermaus-Fähigkeiten mitbringt.

Telekommunikation / Internet / Messen / Spanien / Deutschland / Vodafone / ISAC
03.03.2026 · 05:00 Uhr
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