Drohnenüberflüge: Pistorius ruft zur Gelassenheit auf
Die jüngsten Drohnensichtungen über deutschen Flughäfen, insbesondere am Flughafen München, haben Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dazu veranlasst, zur Besonnenheit aufzurufen. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" erklärte Pistorius, dass zwar Verständnis für die Verunsicherung bestehe, bisher aber keine konkrete Bedrohung von den Drohnen ausgegangen sei. Eine solche Diskussion habe es zuvor noch nicht gegeben, betonte er.
Der Flugbetrieb in München musste kürzlich an zwei Abenden eingestellt werden, nachdem Drohnen entdeckt wurden. Wer hinter diesen Flügen steckt, bleibt unklar. Aus Sicht von Pistorius verfolgt Russland mit solchen Aktionen das Ziel, Unsicherheit zu stiften und kontroverse Diskussionen zu provozieren. Der Kreml sei mit den deutschen Instinkten und Reflexen bestens vertraut, so der Minister.
Obwohl Deutschland in der Drohnenabwehr Fortschritte mache, warnte Pistorius vor überzogenen Erwartungen an die Bundeswehr. Diese könne nicht überall zur Stelle sein. Entscheidend sei, dass die Landes- und Bundespolizeien die nötigen Fähigkeiten entwickeln, um der Bedrohung effektiv entgegentreten zu können. Zu den Plänen von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) für ein Drohnenabwehrzentrum äußerte sich Pistorius skeptisch. Ein solches Zentrum sei zu beschränkt, denn es müssten verschiedene Bedrohungsszenarien berücksichtigt werden.
Er plädiert für ein ganzheitliches Lagebild, das auch Ereignisse wie gleichzeitige Waldbrände oder Stromausfälle erfassen kann. Nur durch das Zusammenführen aller relevanten Sicherheitsdaten lasse sich feststellen, ob zwischen bestimmten Ereignissen ein Zusammenhang bestehe.

