Diplomatie am Scheideweg: Der Fall des iranischen Atomabkommens
Jahrelang haben europäische Länder unbeirrt am Atomabkommen mit dem Iran festgehalten, selbst nachdem der damalige US-Präsident Donald Trump 2018 den Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem Abkommen verkündet hatte. In dieser Zeit mussten die Europäer zuschauen, wie der Iran weiterhin sein Uran auf immer höhere Niveaus anreicherte und den Zugang für die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) einschränkte. Die Abwesenheit von Kameras und Inspektionen stellte ein erhebliches Problem dar.
Mit einem kürzlichen US-Angriff wurden nun Fakten geschaffen, die weit reichende Konsequenzen haben. Für Israel, dessen Existenz direkt durch die iranische Atompolitik bedroht wird, prallen hier Theorie und Praxis schmerzlich aufeinander. Das Land sieht sich gezwungen, gegen einen Gegner vorzugehen, der offen seine Vernichtung ankündigt und dem offenbar jegliche diplomatische Grenzen unwichtig sind.
Diplomatische Bemühungen sind ohne Zweifel erstrebenswert und haben in der Vergangenheit oft Konflikte entschärft. Doch sie stoßen an ihre Grenzen, wenn die Gegenseite nur spielerisch an den Verhandlungstisch tritt und letztlich die Verabredungen unterläuft. Dieser Erkenntnis mussten sich die europäischen Staaten nun stellen.

