Digitalisierung mit Tradition: Dänemark verabschiedet sich von öffentlichen Briefkästen
In Dänemark dreht sich das Zahnrad der Digitalisierung weiter, während die roten Briefkästen aus dem Stadtbild verschwinden. Die hochmoderne Nation wird als erstes europäisches Land die öffentliche Briefzustellung vollständig einstellen. Das staatliche Postunternehmen Postnord hat die letzte Runde der Briefzustellung abgeschlossen und beendet damit eine Ära, in der Papierkorrespondenz das Kommunikationsmittel der Wahl war.
Der Abschied von den Briefkästen erfolgte schrittweise: Bereits seit dem Sommer wurden viele der roten Symbole dänischen Kulturguts dem Stadtbild entnommen. Dabei fand das historische Erbe einen neuen Platz bei Privatpersonen, die einen der Kästen ersteigern konnten. Die Versteigerungserlöse sollen einem guten Zweck zukommen, und ab kommendem Jahr gewinnen die verbleibenden dekorativen Exemplare durch künstlerische Gestaltung zusätzlichen Wert.
Dänemarks Vorreiterrolle in der Digitalisierung zeigt sich klar im Gegensatz zu Deutschland, wo der Brief weiterhin ein wichtiger Kommunikationskanal bleibt. Während die Postnord-Strategie klar auf den florierenden Online-Versand ausgerichtet ist, wird der Fokus künftig auf der Paketdistribution liegen. Diese Entwicklung führt einher mit dem Abbau von 1.500 Arbeitsplätzen.
Die Deutsche Post hingegen betont die Relevanz des Briefmarktes hierzulande. Derweil hat Dänemarks Alternativlösung, die private Firma Dao, durch günstigere Preise und bessere Pünktlichkeit gegenüber Postnord an Attraktivität gewonnen. Abenteuerlustige, die Postkarten aus dem Urlaub versenden wollen, stehen jedoch vor der Herausforderung exorbitanter Versandgebühren.
Für die Postversandbeziehungen zwischen Deutschland und Dänemark oder in andere Länder bleibt Dao ein verlässlicher Partner. Das Unternehmen hat bereits 1.500 eigene Briefkästen in Paketshops aufgestellt und plant nicht, sich aus dem traditionellen Briefgeschäft zurückzuziehen. Die Botschaft ist eindeutig: Trotz des digitalen Wandels bleibt der Brief am Leben.

