Investmentweek

Die EU und ihr Islambild – Wenn Forschung zur politischen Waffe wird

21. August 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die EU investiert Millionen in Islam-Forschungen, doch Kritiker sehen politische Einflüsse. Ist die Wissenschaft unabhängig oder voreingenommen?

Millionen für das bessere Islambild

In Brüssel ist man überzeugt: Die EU fördert keine Ideologie, sondern Exzellenz. Und dennoch sorgt eine Reihe von Forschungsprojekten zur Rolle des Islams in Europa für politische Irritationen – und für Fragen, die nicht so leicht vom Tisch zu wischen sind.

Es geht um Fördergelder in Millionenhöhe, um den Europäischen Forschungsrat, um das Projekt „The European Qur’an“ – und um die Frage, ob wissenschaftliche Objektivität in dieser Förderlogik wirklich Priorität hat.

So antwortete die EU-Kommission Anfang dieser Woche auf eine kritische Anfrage der italienischen EU-Abgeordneten Silvia Sardone (Lega), die mehrere mit EU-Mitteln geförderte Projekte zum Thema Islam und Islamophobie scharf hinterfragt hatte.

Ihre zentrale Kritik: Einige dieser Studien stellten den Islam in einseitig positivem Licht dar und suggerierten eine Islamophobie-Krise, die so in Europa nicht existiere. Ihre Anfrage richtete sich auch gegen ein Projekt zur „Entwicklung der Scharia vom offenbarten Gesetz zum Rechtssystem“ – ein Thema, das in Teilen Europas hochsensibel ist.

Die Kommission aber wiegelte ab. Alle geförderten Projekte, so heißt es in ihrer Antwort, durchliefen einen „strengen, unabhängigen Evaluationsprozess“, der wissenschaftliche Qualität und Relevanz sicherstelle. Kritiker sehen das anders.

The European Qur’an – ein Forschungstitel, der politisiert

Besonders im Fokus: das Projekt The European Qur’an. Mit über zehn Millionen Euro zählt es zu den am höchsten geförderten Vorhaben im Geisteswissenschaftsbereich.

Über 10 Millionen Euro für „The European Qur’an“: Eines der bestfinanzierten Geisteswissenschaftsprojekte der EU will zeigen, wie der Koran Europa bereichert hat – Kritik an möglicher Nähe zur Muslimbruderschaft bleibt unbeantwortet.

Der Anspruch ist groß: Man wolle untersuchen, auf welchen Wegen der Koran „die christlich-europäische Kultur, Religion und Gesellschaft bereichert und inspiriert“ habe. Das klingt für viele wie der Versuch, historische Narrative umzuschreiben – zugunsten eines besseren Islambildes.

Tatsächlich sorgte die Zusammensetzung des Forscherteams für kritische Nachfragen: Wie die französische Zeitung Le Journal du Dimanche im April berichtete, soll einer der beteiligten Wissenschaftler Verbindungen zur Muslimbruderschaft unterhalten.

In ihrer Antwort geht die Kommission darauf mit keinem Wort ein – ein bemerkenswertes Schweigen angesichts der politischen Brisanz solcher Verbindungen. In vielen EU-Staaten wird die Muslimbruderschaft als islamistische, antidemokratische Bewegung beobachtet.

Islamophobie als wissenschaftliches Konzept – oder politischer Kampfbegriff?

Zweites Zankapfel-Projekt: eine mit 2,3 Millionen Euro geförderte Studie zu „Islamophobie und Islamismus im Zeitalter des Populismus“. Bereits der Titel scheint implizit eine Kausalität zu behaupten: Islamophobie ist demnach real, messbar und politisch erklärbar – und sie hängt mit dem Aufstieg des Populismus zusammen.

Für Forscher mag das eine interessante These sein, doch für politische Entscheidungsträger, die auf differenzierte Analysen angewiesen sind, stellt sich die Frage: Wo endet Wissenschaft, wo beginnt Aktivismus?

Silvia Sardone jedenfalls kritisierte, dass diese Studien „in fragwürdiger Weise die Idee befeuern, dass es einen Islamophobie-Notfall in Europa gibt“. Man könne, so ihr impliziter Vorwurf, mit viel Geld auch ein gewünschtes gesellschaftliches Narrativ erzeugen – unter dem Deckmantel der Wissenschaft.

Forschung ja – aber wie unabhängig ist die Auswahl?

Die Kommission betont, dass es keinerlei politische Einflussnahme auf die Auswahl gebe. Ein Netzwerk aus unabhängigen Gutachtern, darunter Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, bewerte die Anträge allein nach wissenschaftlicher Güte.

Die Praxis zeigt allerdings: Politisch aufgeladene Themen – etwa Migration, Religion oder Identität – erhalten überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit und Fördervolumen.

Insgesamt flossen über den Europäischen Forschungsrat bislang mehr als 30 Milliarden Euro an über 17.000 Projekte in 35 Ländern. Deutschland ist mit Abstand größter Empfänger der Fördergelder.

Auch Nicht-EU-Länder wie Israel und die Schweiz werden unterstützt. Nur ein Bruchteil der Mittel entfällt auf religionsbezogene Projekte – doch die öffentliche Wirkung dieser wenigen Projekte ist enorm.

Was bleibt: Eine Forschung, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet

Ist es Aufgabe der EU, mit Milliardenförderung eine neue Deutung europäischer Religionsgeschichte zu etablieren? Ist es gerechtfertigt, dass kritische Anfragen von Abgeordneten mit vorformulierten Standardantworten abgewehrt werden?

Und was sagt es über den Zustand der europäischen Wissenschaftsförderung, wenn ein Projekt mit potenziellen Islamismus-Nähen keinen Aufschrei, sondern einen Freifahrtschein erhält?

Die EU-Kommission steht zu ihrer Linie – und erklärt, der europäische Forschungsraum müsse auch sensiblen Themen Raum geben. Das stimmt. Aber der Raum für Kritik muss ebenso groß sein wie der für Förderung. Sonst gerät ausgerechnet das ins Wanken, was man schützen will: die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft.

Politik / EU / Islam / Forschungs / Islamophobie
[InvestmentWeek] · 21.08.2025 · 14:00 Uhr
[1 Kommentar]
Patient mit Infusionsständer (Archiv)
Berlin - Die Finanzprobleme in der Pflege sind offenbar größer als bislang erwartet. Laut GKV-Spitzenverband hat die soziale Pflegesicherung im ersten Quartal 2026 ein Minus von 667 Millionen Euro eingefahren. Und das trotz eines Darlehens von 800 Millionen Euro. Für das Jahr erwartet GKV-Chef Oliver Blatt ein Minus von rund einer Milliarde Euro. Rechne […] (00)
vor 25 Minuten
Nicholas Galitzine hat zugegeben, dass er sich wie ein 'kompletter Betrüger' fühlte, als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog.
(BANG) - Nicholas Galitzine fühlte sich wie ein "kompletter Betrüger", als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog. Der 31-jährige Schauspieler verkörpert Prinz Adam und dessen Superhelden-Alter-Ego im neuen Film 'Masters of the Universe', und vor seiner dramatischen körperlichen Transformation für die Rolle gab er zu, dass er sich "unwürdig" fühlte, […] (00)
vor 15 Stunden
Teile aus dem 3D-Drucker für die Ukraine
Berlin/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat eine Armee, die auch in Deutschland aktiv ist: Drukarmija (Druckarmee) heißt eine Freiwilligenorganisation, deren Aktivisten mit 3D-Druckern massenhaft kleine Plastikteile herstellen. Sie drucken fast alles, was Soldaten und Rettungskräfte der Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion brauchen: Drohnenzubehör, […] (00)
vor 4 Stunden
MSI gewinnt mehrere COMPUTEX 2026 Awards
MSI, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Gaming und High-Performance Computing, hat auf der COMPUTEX 2026 vier Best Choice Awards gewonnen. Den Höhepunkt bildet der Gold Award für die Flaggschiff-Grafikkarte GeForce RTX 5090 32G LIGHTNING Z. Die Auszeichnungen in den Bereichen Kernkomponenten, smarte Peripheriegeräte und ein Jubiläums- […] (00)
vor 13 Stunden
«Rosen und Reis» fällt im Ersten gnadenlos durch
Die Hochzeitskomödie mit Anneke Kim Sarnau und Oliver Wnuk interessierte kaum jemanden. Selbst beim jungen Publikum blieb das Erste am Freitagabend nahezu unsichtbar. Mit der romantischen Komödie Rosen und Reis wollte Das Erste am Freitagabend eigentlich leichte Unterhaltung zur Primetime servieren. Doch das Publikum hatte offensichtlich andere Pläne: Lediglich 1,73 Millionen Menschen […] (00)
vor 1 Stunde
Nationalmannschaft - Bekanntgabe WM-Kader Deutschland
Berlin (dpa) - Bundestrainer Julian Nagelsmann sieht im verletzungsbedingten Fehlen von Manuel Neuer beim DFB-Pokalfinale mit Blick auf die Fußball-WM «gar kein Problem». Der Kapitän des FC Bayern München setzt im Endspiel gegen den VfB Stuttgart heute (20.00 Uhr/ARD und Sky) wegen muskulärer Probleme in der linken Wade aus. Nagelsmann lobte die […] (00)
vor 10 Minuten
Rheinmetall-Wende: Citigroup schlägt Alarm – Kursziel 1.408 Euro trotz Kursabsturz
Monatelang kannte die Rheinmetall-Aktie nur eine Richtung: abwärts. Ein Minus von gut 26 Prozent seit Jahresbeginn drückte das Papier in der Vorwoche auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 1.118 Euro. Nun sorgt die Citigroup für einen Stimmungswechsel: Die US-Bank stufte den DAX-Konzern am Montag von „Neutral" auf „Buy" hoch und sieht die Marktsorgen als […] (00)
vor 21 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 1 Stunde
 
Öltanker in Russland
Noworossijsk (dpa) - Die Ukraine hat mit einem weiteren Drohnenangriff eine […] (01)
Franziska Brantner am 22.05.2026
Berlin - Die Ko-Vorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, fordert eine […] (02)
Menschen warten vor Bürgerbüro (Archiv)
Berlin - In Deutschland zeichnet sich ein neuer Einbürgerungsrekord ab. Im […] (00)
Minenunglück in Nordchina
Qinyuan (dpa) - Nach einer Gasexplosion in einer chinesischen Kohlemine in der nordchinesischen […] (00)
Berufsunfähigkeitsversicherung in Österreich: Warum private Vorsorge unverzichtbar ist
Die unterschätzte Risiko: Berufsunfähigkeit in Österreich Berufsunfähigkeit ist […] (00)
Bill Kaulitz
(BANG) - Bill Kaulitz traf bei einem Event in Los Angeles zufällig einen Ex-Freund. […] (00)
Nach Kingdom Come: Deliverance 2 plant Warhorse Studios jetzt das nächste große RPG
Der riesige Erfolg von Kingdom Come: Deliverance 2 scheint für Warhorse Studios […] (00)
Freibadsaison beginnt
Olpe (dpa) - Deutschlands Schwimmbädern fehlen zum Start der Freibadsaison weiterhin […] (00)
 
 
Suchbegriff