Die Entwicklung des Tabaks: kulturelle Einflüsse im Laufe der Zeit

15. Dezember 2020, 11:46 Uhr · Quelle: klamm.de
Die Entwicklung des Tabaks: kulturelle Einflüsse im Laufe der Zeit
Foto: pixabay / CC0 Creative Commons

Der legendäre genuesische Seefahrer Christoph Columbus und seine Schiffscrew sollen Tabak vor vielen Jahrhunderten auf der heutigen Insel Kuba zum ersten Mal begegnet sein. In seinem Tagebuch berichtet er von Indianern, die „mit einer kleinen glimmenden Stange aus einem Kraut“ Rauch inhalierten. Seine erste Aufzeichnung über das in seinen Augen merkwürdige Geschehen erfolgte am 6. November 1492. Für die Ureinwohner in Nord- und Südamerika gehörte die Nutzpflanze, die zu den ältesten der Welt gehört, bereits zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens.

Amerikanische Ureinwohner und der Tabak

Der gezielte Tabakanbau durch die Ureinwohner Amerikas erfolgte zunächst ausschließlich für religiöse und rituelle Zwecke. Das Nachtschattengewächs blieb anfangs allein Medizinmännern und anderen hochgestellten Stammesmitgliedern vorbehalten. Am bekanntesten ist die „Heilige Pfeife“, die bei uns als Friedenspfeife in die Geschichte einzog. Für viele Indianerstämme wie Cheyenne, Lakota und Pawnee wurde sie sowohl zum Gebet als auch als Ritualobjekt eingesetzt. Tabak galt insbesondere als ein Hilfsmittel, um mit Geistern in Kontakt zu treten. Außerdem nutzten viele Ureinwohner die Blätter der Tabakpflanze unter anderem zur Bekämpfung gegen Würmer, zum Desinfizieren von Wunden und gegen Zahnschmerzen.

Nutzung von Tabak in der Alten Welt

Im damaligen Afrika, Asien und Europa taten sich die Menschen mit der unbekannten Pflanze in ihrem Leben zunächst schwer – sie wussten nicht so recht, was sie mit ihr anfangen sollten. Allerdings stellten sie schnell fest, dass Tabakrauchen Genuss bereitet. Damit war die Grundlage für die langanhaltende Beliebtheit gelegt. Aber erst im 18. Jahrhundert wurde Tabak aus wirtschaftlichen Gründen legalisiert. Im Zuge dessen wurde die Tabaksteuer eingeführt, die bis zum heutigen Tage einen Großteil des Kaufpreises ausmacht. Seit einigen Jahren liegt sie zwar auf Eis, jedoch befürchten deutsche Unternehmer, dass nach dem Ende der Corona-Krise in sämtlichen Bereichen Steuererhöhungen ins Haus stehen.

Anfangs sah man Tabakrauchen in vielen Ländern als verwerflich an. So galt es beispielsweise in Spanien als heidnische Sitte. Im Spätmittelalter vermutete die Inquisition, dass in Rauchern der Teufel sitzt, der seinen höllischen Qualm in die Luft stößt. Trotzdem wurde die Pflanze immer mehr geschätzt, sowohl als Heilmittel als auch zum Schnupfen und Rauchen. Vor allem Soldaten trugen einen guten Teil zur weiteren Verbreitung bei. Die erste sogenannte Rauchkultur entstand in den Niederlanden, England folgte. Moralische Gründe ließen den Verkauf von Tabak im 17. Jahrhundert ausschließlich zu medizinischen Zwecken in Apotheken zu. Sie konnten jedoch nicht lange aufrechterhalten werden, die vielen Konsumenten machten den Moralisten einen Strich durch die Rechnung. Ihre Unglaubwürdigkeit verstärkte sich außerdem durch den hohen Stand der Tabakkaufleute, die zu den Ehrenmännern zählten. Ihnen stand es frei, das wertvolle Gut offiziell an den Adel zu veräußern.

Tabak: Sucht- und Heilmittel zugleich

Neben dem Rauchen von Pfeife, Zigarren und Zigaretten wurde Tabak weiterhin in der Medizin verwendet. Der französische Botschafter Jean Nicot setzte eine tabakhaltige Salbe zur Behandlung eines Portugiesen ein, der an einem Tumor erkrankte. Nach Einschätzung des Franzosen heilte er diesen damit. Außerdem übersandte Nicot sogar Königin Katharina de Medici Tabak zur Bekämpfung der Kopfschmerzen ihres Sohnes. Aber auch die Suchteigenschaften wurden frühzeitig erkannt. Der Missionar Bartholomäus de Las Casas schrieb schon im 16. Jahrhundert, dass es nicht in der Kraft der Eingeborenen liege, mit dem Rauchen aufzuhören. Der englische König James I. deutete zur etwa gleichen Zeit darauf hin, dass Rauch eine schädliche Auswirkung auf Augen und Atemwege hat.

21. Jahrhundert: vom Rauchen zum Dampfen

Heute ist unsere Kultur von Wissenschaft geprägt. Sie sorgte Mitte des 20. Jahrhunderts für die Pathogenität von Tabak. Das steigende Gesundheitsbewusstsein der Menschen und die Einschaltung der Politiker, beispielsweise durch das Werbeverbot, trugen dazu bei, dass es immer weniger Raucher gibt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Dampfer, die sich mittlerweile zum Beispiel E-Zigaretten und Liquids online bestellen. Die Hersteller konnten im Jahr 2019 ein Umsatzplus von 30 Prozent verzeichnen. Die häufigsten Gründe für den Umstieg von Tabak- auf E-Produkte sind der Ansporn, mit dem Rauchen aufzuhören, Geldersparnis sowie eine weniger starke Belastung der Gesundheit.

Tabak / Geschichte
15.12.2020 · 11:46 Uhr
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