Deutschlands Exporte zeigen Spannungen: Ein Augenmerk auf Europa

Die jüngsten Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werfen ein Schlaglicht auf die angespannte Lage des deutschen Außenhandels. Die Exporte nach China erlitten in den ersten drei Quartalen einen Rückgang von mehr als 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichten lediglich 61,4 Milliarden Euro. Seit 2022 hat sich damit ein Abwärtstrend etabliert, der einen Rückgang von einem Viertel der Ausfuhren markiert. Dies hatte zur Folge, dass China in der Rangliste der bedeutendsten Exportdestinationen Deutschlands von Platz zwei auf Platz sechs abrutschte.
IW-Handelsexperte Jürgen Matthes identifiziert mehrere Gründe für diese Entwicklung. So haben chinesische Produzenten in essenziellen Industrien stark aufgeholt. Darüber hinaus beeinflussen staatliche Subventionen und ein im Vergleich zum Euro unterbewerteter Yuan die Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen negativ. Diese Faktoren schmälern die Absatzmöglichkeiten deutscher Exporteure erheblich.
Auch die Exporte in die Vereinigten Staaten verzeichneten einen Einbruch um nahezu acht Prozent in den analysierten Monaten, was hauptsächlich auf die von US-Präsident Donald Trump verfolgte Zollpolitik zurückgeführt wird. Jürgen Matthes betont, dass es wenige Anzeichen für eine baldige Änderung dieser Trends in Washington oder Peking gibt. Dennoch ist positiv hervorzuheben, dass die generelle Exportabhängigkeit von China und den USA geringer ist als befürchtet.
Deutlich wird dabei die Schlüsselrolle Europas: Zwischen Januar und September stiegen die Gesamtexporte Deutschlands dennoch minimal um 0,25 Prozent. Länder wie Polen, die Schweiz und Spanien kompensierten die Rückgänge teilweise, sodass mittlerweile knapp 70 Prozent der deutschen Ausfuhren innerhalb Europas verbleiben. "Europa bleibt der Stabilisator für die deutsche Exportwirtschaft", erklärt Matthes und fordert verstärkte Anstrengungen beim Abbau von Handelsbarrieren im EU-Binnenmarkt, um dieses Potential voll auszuschöpfen.

