Deutschland im Schatten einer drohenden Konjunkturflaute
Die deutsche Wirtschaft steht laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) vor einer potenziell historischen Konjunkturflaute. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov betonte in Berlin, dass der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung weiterhin auf sich warten lässt – ein Szenario, das dringend abgewendet werden muss, um ein „verlorenes Jahr“ zu verhindern. Diese düstere Prognose basiert auf den neuesten Studienergebnissen der Konsumforschungsinstitute GfK und NIM, die in Nürnberg bekannt gegeben wurden. Das Konsumklima verzeichnete im Mai keine nennenswerte Belebung.
Die DIHK bleibt in ihren Zukunftsaussichten pessimistischer als andere Prognosen, einschließlich der der Bundesregierung und der „Wirtschaftsweisen“, indem sie weiterhin einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,3 Prozent für 2025 erwartet. Diese Annahmen speisen sich aus einer umfassenden Konjunkturumfrage der DIHK, die unter mehr als 23.000 Betrieben durchgeführt wurde. Während einige Indikatoren leichte Verbesserungen signalisieren, bleibt die Gesamtstimmung gedämpft. Nur ein Viertel der befragten Unternehmen bewertet ihre derzeitige Lage als positiv.
Im Fokus der Firmen stehen wirtschaftliche Herausforderungen, die von ungünstigen Rahmenbedingungen bis hin zu hohen Energiekosten reichen – hinzu kommt die unberechenbare Zollpolitik der USA. Diese Unsicherheiten zwingen viele Betriebe, ihre Investitionen vorerst zurückzuhalten. Melnikov fordert daher wirksame Maßnahmen, wie eine Senkung der Stromsteuer, an. Ein 500 Milliarden Euro schweres kreditfinanziertes Sondervermögen könnte, gepaart mit Strukturreformen und beschleunigten Genehmigungsverfahren, die Industrien und besonders das Baugewerbe stärken.
Obwohl ein Maßnahmenpaket der neuen Bundesregierung zur Sommerpause angekündigt ist, das unter anderem eine Senkung der Stromsteuer und erleichterte Abschreibungsbedingungen vorsieht, bleibt der Knoten bei den Investitionen und Konsumausgaben ungelöst. Laut den Konsumforschungsinstituten haben indes die Konjunktur- und Einkommenserwartungen zugenommen, jedoch bleiben die Verbraucher zurückhaltend beim Konsum, da sie in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Unsicherheit eher zum Sparen neigen. Diese Zurückhaltung droht das Konsumklima weiter zu belasten, mahnt NIM-Konsumforscher Rolf Bürkl. So bleibt die Sparquote der privaten Haushalte trotz steigender Einkommen auf einem Rekordniveau.

