Deutschland im Koalitionsfieber: Union und SPD auf der Zielgeraden
Die Gespräche zwischen Union und SPD zur Bildung einer neuen Bundesregierung befinden sich in einer kritischen Phase. Angesichts der internationalen Lage, insbesondere der neuen US-Zollpolitik, steigt der Druck auf die Verhandlungspartner, zügig zu einem Abschluss zu kommen. "Es sollte schnell gehen, es muss gut werden", betonte der CDU-Politiker Jens Spahn in Berlin.
Seit fast vier Wochen ringen die Spitzenpolitiker von CDU, CSU und SPD um einen Koalitionsvertrag, der die Grundlage für eine neue schwarz-rote Regierung bilden soll. Anke Rehlinger, die Ministerpräsidentin des Saarlandes, sieht die Verhandlungen auf einem guten Weg. Zwar seien die letzten Schritte die herausforderndsten, doch ist sie überzeugt, dass sich der Einsatz auszahlen wird.
Aktuell ist die Ministerienverteilung noch nicht Teil der Gespräche. Thorsten Frei, Parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag, äußerte sich optimistisch hinsichtlich eines baldigen Abschlusses. Der Entschluss hänge von der Dynamik der nächsten Stunden ab, jedoch sei der Einigungswillen groß. An vielen Brennpunkten sei inzwischen Klarheit geschaffen worden.
Am Montag gelang es, zahlreiche Punkte zu vereinbaren, sagte SPD-Politikerin Bärbel Bas. Dennoch liege einiges noch unklar auf dem Tisch. Die Ministeriumsverteilung stehe traditionell zuletzt auf der Agenda. Bas unterstrich im "Frühstart" von RTL und ntv die Bedeutung eines schnellen Abschlusses, insbesondere aufgrund der Nachrichten aus den USA. Derzeit sei Druck vorhanden, auch wenn ein konkretes Abschlussdatum schwer vorherzusagen sei.
Der Finanzierungsstreit bleibt ein kritisches Thema, denn die Aufnahme von Milliardenschulden löst die strukturellen Haushaltsdefizite nicht. Sparmaßnahmen seien unumgänglich.
Auch Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spürt einen besonderen Zeitdruck, anders als bei den vergangenen Koalitionsverhandlungen zur Ampel-Regierung. Die wachsende Unzufriedenheit in Deutschland verstärke den Wunsch nach einer zügigen Regierungsbildung. Stabilität und Verlässlichkeit stehen dabei im Vordergrund.
Nach einer Einigung auf den Koalitionsvertrag steht die Regierung jedoch noch nicht. Die Mitglieder von CDU, CSU und SPD müssen ihm zustimmen. In der SPD soll eine Mitgliederbefragung stattfinden, die laut Bas arbeitsintensiv ausfallen könnte. Auch Thorsten Frei von der CDU betonte die Wichtigkeit der parteiinternen Abstimmungen. Die Satzung sieht vor, dass ein kleiner Parteitag das Ergebnis des Koalitionsvertrages entscheidet.

