Deutschland behauptet Spitzenplatz im Solarausbau – doch das Wachstum verliert an Dynamik
Mit über 100 Gigawatt installierter Solarstromleistung belegt Deutschland im internationalen Vergleich Platz vier – hinter China, den USA und Indien, allesamt Staaten mit deutlich größerer Fläche und Bevölkerung. 2024 wuchs die installierte Kapazität in Deutschland laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) um 14 Prozent, was einem Zubau von 17,5 Gigawatt entspricht. Damit verteidigt die Bundesrepublik ihre Rolle als europäischer Vorreiter, auch wenn sich das Wachstum 2025 etwas abschwächen dürfte.
Vor allem private Dachanlagen verzeichnen laut BSW-Sprecher Carsten Körnig eine gedämpfte Nachfrage. Dagegen erlebt das Segment der Balkonkraftwerke weiterhin einen Boom: Rund 800.000 dieser Kleinstanlagen waren 2024 bundesweit in Betrieb – ein Indiz für das zunehmende Interesse breiter Bevölkerungsschichten an dezentraler Stromproduktion.
Weltweit dürfte die installierte Solarleistung in diesem Jahr erstmals die Marke von 600 Gigawatt überschreiten – doppelt so viel wie noch 2022. Doch neue Rekorde seien kurzfristig nicht zu erwarten, heißt es übereinstimmend vom europäischen Branchenverband Solar Power Europe und dem BSW. China dominiert den Markt mit einem Zubau von 329 Gigawatt im Jahr 2024 – mehr als doppelt so viel wie alle übrigen Top-Ten-Länder zusammen.
Parallel zum globalen Solarausbau rückt ein bekanntes Nadelöhr erneut in den Fokus: die Speicherung überschüssigen Stroms. Ohne adäquate Speichertechnologie droht ein wachsender Anteil ungenutzter Erzeugung. Der frühere Volkswagen-Chef Herbert Diess sieht hier in Elektrofahrzeugen eine Lösung. Das sogenannte bidirektionale Laden – bei dem Fahrzeuge nicht nur Strom beziehen, sondern auch ins Netz einspeisen – könnte seiner Ansicht nach gleich zwei Probleme adressieren: die Netzstabilität und die schleppende Nachfrage nach E-Autos in Europa. Bereits erste Modelle seien verfügbar, die Betriebskosten würden durch Stromverkauf nahezu auf null sinken, so Diess, heute Vorsitzender des Verwaltungsrats beim Ladesäulenanbieter Mobility House.
Langfristig sei laut Diess mit einem Schub für die Elektromobilität zu rechnen – nicht trotz, sondern wegen des stagnierenden Absatzes. Damit könnten E-Autos zur tragenden Säule der Energiewende werden – als Speicher und Verbraucher zugleich.

