Deutschland: Anstieg der Fälschungskriminalität fordert Gegenmaßnahmen
Deutschland sieht sich zunehmend als Zentrum für die Verbreitung von Fälscherware in der EU, wie der Markenverband berichtet. Unternehmen erleiden dadurch jedes Jahr erhebliche finanzielle Verluste. Franz-Olaf Kallerhoff, Präsident des Markenverbandes, macht deutlich: „Es ist inakzeptabel, dass der Markt mit gefährlichen Produkten überschwemmt wird, die ohne Rücksicht auf Umwelt- und Arbeitsstandards hergestellt werden.“
Der Markenverband, dessen Mitglieder Hugo Boss, Haribo, Henkel, Miele und Vileda sind, organisiert den Tag der Markenwirtschaft in Berlin, bei dem Bundeskanzler Friedrich Merz zu Gast sein wird.
Die EU-Agentur für geistiges Eigentum (EUIPO) legt aktuelle Zahlen vor, wonach im Jahr 2024 insgesamt 112 Millionen gefälschte Waren entdeckt wurden. Trotz eines Rückgangs der Stückzahlen stieg der Verkaufswert auf 3,8 Milliarden Euro, was steigende Stückpreise widerspiegelt. Besonders Deutschland ist betroffen, da es als größte Volkswirtschaft in Europa ein attraktives Ziel für Fälscher darstellt.
Die am häufigsten nachgemachten Produkte sind CDs, DVDs und andere digitale Inhalte, die ein Drittel der Fälschungen ausmachen. Spielzeug folgt mit 18 Prozent, Kleidung und Modeaccessoires tragen jeweils 7,5 und 6 Prozent bei. Der Hauptabsatzweg bleibt der Online-Handel, wobei China und die Türkei als Hauptquellen der Fälschungen gelten.
Der wirtschaftliche Verlust in Deutschland wird auf etwa acht Milliarden Euro jährlich geschätzt. Nur ein Bruchteil der aufgegriffenen Waren mündet in ein Gerichtsverfahren, wodurch die Täter oft ungeschoren davonkommen. Technische Innovationen erleichtern die Herstellung perfekter Fälschungen, während der wachsende Online-Handel die Lage verschärft.
Zur Bekämpfung drängen Markenverband und Handelsverband Deutschland auf intensivere Kontrollen und eine stärkere Verantwortlichkeit der Online-Plattformen. Maßnahmen wie die Abschaffung der Zollfreigrenze und die Meldepflicht für alle Pakete sollen dazu beitragen, den Markt zu säubern. Schließlich sind auch rund 64.000 Arbeitsplätze bedroht, warnt der HDE.
Verbraucher, die gefälschte Produkte erwerben, werden ermutigt, Meldungen zu erstatten und Verkäuferplattformen zu informieren. Der Kauf ist in vielen EU-Ländern nicht strafbar, der Weiterverkauf jedoch schon. Gefälschte Produkte bergen zudem gesundheitliche Risiken, da sie nicht den europäischen Sicherheitsstandards entsprechen und möglicherweise gefährliche Substanzen enthalten.

