Deutscher Brotkonsum schwächelt: Preissprung und veränderte Essgewohnheiten im Fokus
eine Veränderung, die auf gestiegene Preise und neue Konsumgewohnheiten zurückzuführen ist. Eine aktuelle Erhebung des Marktforschungsinstituts YouGov zeigt, dass der durchschnittliche Broteinkauf pro Haushalt im Vergleich zu 2019 um 4,3 Kilo gesunken ist. Dies entspricht einem Rückgang von fast zehn Prozent. Interessanterweise betrifft dieser Trend ausschließlich den heimischen Konsum von unverpacktem Brot; Toasterzeugnisse und belegte Brote, die außer Haus gekauft werden, bleiben davon unberührt.
Verantwortlich für diesen Rückgang sehen Experten wie Katja Trieschmann vor allem die Verteuerung von Brot und alternative Frühstücksgepflogenheiten. Klassische Mahlzeiten wie Frühstück oder Abendbrot verlieren an Bedeutung, während Konsumenten zunehmend kleinere Snacks bevorzugen oder das Frühstück auslassen. Diese Trends wurden bereits von der 'Lebensmittel Zeitung' aufgegriffen und thematisiert.
Ein genauerer Blick auf die Preisentwicklung zeigt, dass Mehl als zentrale Zutat um 47 Prozent teurer wurde. Auch die Kosten für Weiß-, Roggen- und Vollkornbrote stiegen zwischen 34 und 37 Prozent im Vergleich zu vor fünf Jahren. Besonders stark betroffen davon sind traditionelle Bäckereien, deren Marktanteil laut YouGov erheblich geschrumpft ist. Noch 52 Prozent der Haushalte deckten sich vor fünf Jahren mindestens einmal im Jahr in Bäckereien mit Brot ein; heute sind es nur noch 45 Prozent. Der Trend geht vermehrt zu vorverpacktem oder aus Backstationen stammendem Brot, das preislich attraktiver ist.
Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks spielen zudem kleinere Haushaltsgrößen eine Rolle im sinkenden Pro-Kopf-Konsum. Die Zahl der Bäckereibetriebe hat sich 2024 um 3,6 Prozent auf 8.900 reduziert, was die Branche zusätzlich unter finanziellen Druck setzt. Neben den steigenden Rohstoffpreisen belasten auch der Mindestlohn und gesteigerte Kosten die Bäckerbetriebe.
Tobias Schuhmacher vom Verband Deutscher Großbäckereien beschreibt eine Neuausrichtung des Konsumentenverhaltens. Brot wird heute als Bestandteil diverser Mahlzeiten oder als Snack konsumiert, anstatt als volle Mahlzeit. Handelsketten wie Edeka, Rewe, Lidl und Aldi profitieren von dieser Entwicklung durch den Verkauf abgepackter Brote.
Eine repräsentative YouGov-Umfrage verdeutlicht, dass trotz des allgemeinen Rückgangs viele Haushalte noch regelmäßig zu Brot und Brötchen greifen: 14 Prozent der Befragten tun dies mehrere Male täglich, während 30 Prozent täglich Brot konsumieren. Ganze 48 Prozent essen ein- oder mehrmals wöchentlich Brot oder Brötchen, nur 7 Prozent rar oder nie.

